Oktober 01, 2019
Schreiben und Kekse

Die Tochter der Kollegin geht jetzt in die Schule. Seit drei Wochen. Sie langweilt sich und fragt, wann endlich Ferien sind. Ich kann sie sehr gut verstehen.
Wenn ich so höre, was die da machen, dann würde ich mich auch langweilen. Als Hausaufgabe bekam sie einen Zettel mit laufenden Männchen drauf. Sie musste Pfeile malen, in welche Richtung die Männchen laufen. Das ist doch Kinderkram.
Sie haben auch erst einen Buchstaben gelernt. Einen einzigen, nämlich das I. Also, das I das ist ja wohl der einfachste Buchstabe von allen. Er ist nur ein Strich. Wenn man eine Seite voll Is malen - Entschuldigung - schreiben muss, dann malt man einfach ganz viele Striche. Also, ich würde mich da auch langweilen. Wo ist denn da die Challenge?
Die Kollegin sagt auch, dass sie jetzt in der What's App Gruppe der 1b drin ist.
Ich fühlte mich natürlich genötigt einen Witz zu machen und sagte, dass es ja wohl eine ziemlich öde Chargruppe wäre, wenn alle nur einen Buchstaben können und ich fand das auch wirklich lustig, aber außer mir irgendwie keiner.

iiii
iiiiiiiiii
iii
iiiiiiiiiiiiiiii
iiiiiiiiiii
iiiiii

Es ist wirklich ein Armutszeugnis der Gesellschaft, wenn der Künstler nicht verstanden wird.
Aber so ist das nunmal. Deswegen muss man nach innen hören und nicht nach aussen.
Ich zum Beispiel hörte nach innen, als ich neulich einen Butterkeks aß, den ich zufällig in einer Butterkeksschachtel in unserem Büro gefunden hatte. KNUSPER!!! Machte es und es schmeckte butterig süß und lecker. Ich hatte meine alte Liebe zu Butterkeksen wiedergefunden. Es war gut.
Butterkekse sind für mich eine schöne Neuentdeckung. Sie sind klassisch und gut. Esst doch mal wieder einen Butterkeks.
Mit dieser neu entflammten Altliebe im Bauch ging ich zum Supermarkt, um Butterkekse zu kaufen. Ich ging in die Butterkeksabteilung und stelle Folgendes fest:
Es gibt verschiedene Sorten, zum Beispiel die klassische Sorte, dann eine Vollkornsorte und dann noch eine Sorte mit weniger Zucker.
Die Packung der klassischen Sorte enthält 200g, die der Vollkornvariante enthält ebenfalls 200g, die Sorte mit weniger Zucker enthält 150g.
Eine Packung der klassischen Sorte kostet genauso viel, wie die zuckerreduzierte Sorte. Die Vollkornsorte ist teurer.
Ich war etwas erstaunt (auf der bösen Sorte von erstaunt): Die Sorte mit weniger Zucker kostet genau so viel, enthält aber ein Viertel weniger Kekse. Das ist aber nicht schön! Müsste diese Sorte nicht auch 200g enthalten und das gleiche kosten, wie der Klassiker? Schließlich ist ja sogar weniger Zucker drin!
Aber: dann wurde ich schlau. Wenn weniger Zucker drin ist, dann müssen ja mehr von den anderen Zutaten rein, um auf das gleiche Gewicht zu kommen. Zucker kostet ja nichts, deswegen bekommt man weniger Keks (Keks - Zucker) zum gleichen Preis.
Problem gelöst (mit Gehirn), Verbraucher froh!

Posted by banana at 12:10 EM | Comments (4)
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