März 05, 2019
Die lustige Jahreszeit ist bald vorbei

Das mit dem Fasching, Karneval, Fastnacht hätten wir dann ja auch mal wieder so gut wie geschafft. Das ist gut. Dann kann das Jahr ja endlich anfangen.
Ich persönlich kann mit dem Kram nichts anfangen und her in Frankfurt ist es auch eher ein Randphänomen. Wenn man verkleidete Leute sieht, dann kommen die wahrscheinlich gerade aus Mainz und sind schon so ausgefeiert, dass sie davon absehen, beschissene Lieder zu singen oder den Leuten sonst so auf den Saque zu gehen.
Nicht aber so am Sonntag! Da stieg ich in die S-Bahn und dachte so "Dumm di dumm didumm di dumm di dümmel di dumm dipp di dubb du dumm" (Also nichts Besonderes) und sah mich um.
Da saß, in einem Booth neben der Eingangstür, ein lustiger Mann. Er hatte sich lustig zurechtgemacht, damit das auch alle gleich sehen konnten: Auf seinen Kopf hatte er eine blaue Perücke gestülpt um seinen Body hatte er in einem buntigen Overall reingetan. Seine Schuhe waren normal. Alle anderen Fahrgäste waren nicht lustig angezogen, eher so normal.
Er telefonierte.
"Hier, Alter, so geht das nicht, Alter". Man muss sich das in einem leichten hessischen Dialekt vorstellen und in relativ laut. Ich glaube, er war nicht besonders nüchtern.
"Hier, Alter. Das ist doch Scheisse, Alter. Alter."
"Alter, erst sagst Du, Du kommst zu mir, Alter und ich warte, Alter, und Du kommst nicht, Alter und dann, Alter, sagst Du, Alter, Du bist jetzt wieder zu Hause, Alter, weil Du was klären musst, Alter"
Er war ziemlich sauer. Ich überlegte, warum.
"Und dann, Alter, sagst Du mir, Alter, das ist Liebe. Fick die Liebe, Alter. Liebe ist Verarsche, Alter."
Ich glaube, er redet immer so, aber mit etwas weniger "Alter", wenn er nüchterner ist.
Er hatte bestimmt vor, mit seinem Kumpel einen lustigen Rosensonntag zu verbringen mit lustigen Haaren und lustigem Gewand und lustigen Getränken und lustigem Gebaren und dann taucht der Freund einfach nicht auf und erzählt was von Liebe. An Fasching! Da kann man doch mal schlechte Laune bekommen. An Fasching!
Die Partnerin des lustigen Mannes saß auch im Booth. Ich kann nicht sagen, was sie trug. Wahrscheinlich etwas Lustiges unter der Jacke. Frauen neigen ja oft zum Frieren.
Das Telefonat war dann beendet. Resignation statt Eskalation. Zusammen mit seiner Partnerin wurde das Gespräch dann nachbereitet. Es ging darum, dass man ihn ficken wollte (also der lustige Mann den Gesprächspartner am Telefon, nicht den lustigen Mann) und um Unterhalt und um Kontakt zu irgendwem, zu dem kein Kontakt bestehen sollte und so weiter und so fort. Alles sehr unerfreulich. Ich war mir inzwischen nicht mehr so sicher, ob der lustige Mann mit einem Mann oder einer Frau telefoniert hatte. Es schien mir auch durchaus plausibel, dass es sich um die Mutter ihres gemeinsamen Kindes gehandelt haben könnte, zu dem Kontakt bestünde, obwohl kein Kontakt bestehen dürfte. So richtig durschauen konnte ich das ganze aber nicht.
Naja, ich konnte auf jeden Fall ganz gut verstehen, warum man mit dem lustigen Mann nicht den lustigen Aschersonntag verbringen wollte. Ich wäre aber auch nicht scharf darauf, den Gesprächspartner kennenzulernen. So richtig interessant klang die Geschichte dann auch nicht. Die andere Fahrgäste kümmerten sich um ihren eigenen Scheiss.
Ich auch. Ich las in einem Buch rum und stieg dann aus. Es war eine lustige Fahrt gewesen.
Morgen ist die lustige Zeit dann vorbei. Dann werden die gleichen Leute die gleichen Gespräche in der Bahn führen. Aber nicht mehr so lustig angezogen.

Posted by banana at 02:41 EM | Comments (7)
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