November 24, 2014
Wir haben doch keine Zeit.

Es ist schon eine Weile her, da kaufte ich mir ein Gerät, mit dem ich Fernsehsendungen aufzeichnen kann. Man kann diese Aufzeichnungen dann auch wieder anschauen oder auch ungesehen wieder löschen, um mehr Platz auf der internen Festplatte zu haben, um weitere Sendungen aufzuzeichnen.
All das geschieht über eine Oberfläche, die dem Auge schmeichelt und die über den Telekommander bedienbar ist.
Ich bin sicher, dass ich bereits mindestens eine Handvoll Geräte im Haushalt hatte, die die gleichen Funktionen hätten übernehmen können, aber ich bin Traditionalist und habe gerne Geräte, die festen Aufgaben zugeordnet sind. Deswegen kam mir dieses Gerät ins Haus.
Ich nutze es gern, wenn auch nicht besonders häufig. Nun habe ich aber eine sehr praktische Funktion dieses Gerätes entdeckt, die mich im wahrsten Sinne aufhorchen lies:
Man kann die Wiedergabegeschwindigkeit des Gerätes erhöhen und dabei wird - bis zu einem bestimmten Wert - trotzdem der Ton ausgegeben. Ich bin so in der Lage einen Film oder eine Reportage, ein Feature oder eine Sportveranstaltung, in der Hälfte der Zeit zu konsumieren. Natürlich muss man genau hinhören, die Ohren spitzen und gut aufpassen, denn bei Dialogen in der doppelten Geschwindigkeit kann man leicht durcheinander kommen. Das ist so ungemein praktisch, ich kann es kaum fassen. Ich kann so täglich einen Film schauen, ohne, dass mir der ganze Abend versaut ist, weil ich schon wieder keine Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gehabt habe: Familie, Essen, Wohltätigkeit, Forschung.
Es ist wundervoll.
Dieses Gerät lehrt mich auch, dass die meisten Menschen viel zu langsam reden und gestikulieren. Mit nur sehr wenig Übung ist es ohne weiteres möglich, einer Unterhaltung in doppelter Geschwindigkeit zu folgen. Ich denke, dass alle Aufzeichnungen mit erhöhter Geschwindigkeit abgespielt werden sollten. Zum Beispiel: Musik, Nachrichten, Anrufbeantworter, Schulungsunterlagen, Popmusik.
Einmal Musik war doppelt, das müssen wir abziehen.

Posted by banana at 01:03 EM | Comments (3)
November 05, 2014
Namenschilder/Namensschilder

Unlängst meldete ich mich zu einer Veranstaltung an. Das war so eine Gruppenveranstaltung. Also so eine Fan-Geschichte. Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen.
Es war so eine Namenschilder-Veranstaltung. Das heisst, man bekommt so ein Namensschild zum Anstecken oder - so wie eine Kindergartentasche - um den Hals hängen, damit die anderen Veranstaltungsteilnehmer wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und auch, damit aussenstehende sehen können, dass es sich da wohl um eine Gruppe handelt, die wohl irgendwie zusammen gehört.
Manche Dinge sind ja Segen und Fluch gleichzeitig. Günstige Farbdrucker und Laminiergeräte gehören dazu. Die Möglichkeit, billig T-Shirts zu drucken ebenso. Das führt zu so einer Namensschild/T-Shirt Inflation. Ich persönlich mag solche Gruppengeschichten nicht so besonders, deswegen fühle ich mich mit Namensschildern und in Gruppen-T-Shirts unwohl. Ich finde es auch ganz gut, dass niemand weiss, dass ich Rumnpelstielzchen heiss.
Aber das ist ein anderes Thema.
Auf jeden Fall meldete ich mich da zu dieser Veranstaltung an. Die Teilnahme war kostenpflichtig, aber nicht für Kinder unter vier Jahren, denn die können einfach so mitkommen und zwar ohne Anmeldung.
Natürlich tauchte die Frage auf, wie denn dann die Kinder unter vier Jahren an ein Namensschild kommen würden, wenn man sie nicht anmelden müsse.
Da wollte ich mich dann schon wieder abmelden. Einfach aus reiner Resignations. Oder aus Desinteresse. Oder aus was auch immer auch.
Warum braucht denn ein Kind von drei Jahren bitteschön ein Namensschild?
Damit es auch ein Namensschild hat, weil Kinder immer alles wollen, was sie sehen?
Mich interessiert nicht, wie das Kind heisst, weil der Name höchstwahrscheinlich einer dieser derprimierenden Namen sein wird, wegen derer viele Kinder, sofern sie vernünftig sind, in der nicht allzu fernen Zukunft ihren Eltern ein Leid anzun wollen. Ich will mich mit dem Kind auch nicht unterhalten. Und selbst wenn ich das Bedürfnis verspüren sollte, mit dem Kind zu kommunizieren, dann würde ich das Kind bestimmt nicht mit dem Namen ansprechen.
Aber wahrscheinlich ist das so ein Familien, Wir-sind-jetzt-Mana-und-Papa-Ding, dass ich nicht verstehen kann, weil ich halt kein Papa bin.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass sich das Kind nicht an der Sicherheitsnadel verletzen wird, weil das dann bestimmt die Schuld des Veranstalters wäre.

P.S.
Heisst es eigentlich Namenschilder oder Namensschilder?

Posted by banana at 12:41 EM | Comments (12)
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