September 21, 2012
Paris, Räder und der Fluss

Ich war in Paris. Das ist eine schöne Stadt, dieses Paris. Wenn man mal die Mitte gefunden hat und die Schutzfolie von den Augen gezogen hat, dann wird man feststellen, dass da eine ganze Menge sehr beeindruckende Gebäude auf ganz schön engem Raum stehen.
Leider bleibt sowas nicht verborgen und das führt zum einen dazu, dass es da ganz schön voll ist und überall Leute sind, die sich das auch anschauen möchten und zum anderen dazu, dass die Ansässigen die Gegebenheiten nutzen, um etwas Geld zu verdienen.
Ich war jetzt das zweite mal im Leben in Paris, aber so schnell muss ich da nicht mehr hinfahren. Die Stadt kommt mir vor, wie ein Ryan-Air Flug. Dauern hat man das Gefühl, dass es ganz schön teuer wird, wenn man sich auf den falschen Platz setzt, vergessen hat, irgendwas online auszufüllen oder irgendwas zu groß ist. Einmal setzten wir uns in so ein Straßen-Ding, das aussah, als könnte man da was trinken. Wir bestellten also umständlich auf Französisch was zum trinken und dann sollten wir was zum Essen bestellen, was wir aber nicht wollten. Da konnte die Frau auf einmal dann doch Englisch und sagte uns, dass das ja eigentlich nur zum Essen wäre und wir erstmal sitzen bleiben dürften, aber wenn sie den Tisch dann bräuchten, dass wir dann zu gehen hätten. Obwohl - eigentlich mag ich das ja, wenn Klischees bestätigt werden. Trotzdem: nett, aber erstmal wieder 20 Jahre ohne mich, sind ja genug andere Leute da.
Neue U-Bahn-Schilder könnten die sich bei dem ganzen Geld, das die Touris in die Stadt bringen auch mach kaufen.

metroschild.png

Was ich aber super fand, war das Leihrädersystem: Überall (naja, nicht überall, aber ziemlich oft) gibt es so feste Fahrradständer mit Ausleihautomat. An den Ständern stehen Fahrräder, die man sich nach einer Registrierung ausleihen kann. Zum Abgeben fährt man das Rad dann wieder zu so einem Ständer und geht seines Weges. Ich finde das System super und wenn man sich so die ganzen Fahrräder in der Stadt anschaut, dann sieht man, dass das auch rege genutzt wird. Ich finde, das Schlaue daran ist, dass man nach eine Weile die Ausleihstationen kennt und wenn man dann ein Rad braucht, dann geht man dort eben hin und leiht sich eines. Da es ziemlich viele von den Stationen gibt, muss man, nachdem man sein Rad abgegeben hat, nicht mehr so weit laufen.
Nun ist das aber keine Spezialität von Paris. Solche Systeme gibt es in vielen europäischen Städten. Nur nicht in Deutschland. Da gibt es Call a Bike.
Das System habe ich nicht 100% verstanden. Ich glaube, man muss sich auf mehrere Arten erstmal ein freies Fahrrad suchen, weil die Dinger nämlich quasi überall stehen können (in Frankfurt gerne mal im Main). Helfen kann einem da zum Beispiel ein Programm auf dem Schlaufon. Wenn man dann ein Rad gefunden hat, dann ruft man irgendwo an, bekommt dann einen Zahlencode, den man am Rad eingibt, dann fährt man rum und am Ende muss man wieder einen Zahlencode eingeben. Alles hochtechnisch.
Was ich schade finde, ist, dass man wenig von den Rädern im Stadtbild sieht. Noch fallen mir welche auf, die am Wegesrand der Ausleihung harren, noch sehe ich Menschen, die auf den Rädern herumfahren.
Aber das liegt bestimmt daran, dass ich wirklich nicht so oft durch die Frankfurter Stadt laufe. Auf die Idee, mir mal ein Bike zu callen bin ich auch aber noch nicht gekommen. Registrieren muss man sich vorher nämlich auch noch und das geht nur online.
So ist das in Deutschland: Wir machen Technik. Für die LKW-Maut hätte man ja auch Aufkleber rausgeben können.
Oh, ich glaube, heute ist mal wieder Motztag.

Posted by banana at 07:31 FM | Comments (7)
September 18, 2012
Würfelbrei und Umzüge

Nun an, nun an. Ich bin mal wieder umgezogen. Beruflich. Also, ich sitze von nun an in einem anderen Bureau und haue in die Tasten. Gerne scherze ich, sage, es handle sich bei jenem, mich bezahlenden Unternehmen um eine Umzugsfirma mit angeschlossener Software-Entwicklung, aber auch dieser, mein Witz, schleift sich ab, verliert die Kanten und ist bald nur noch ein Batzen. So, Schwafelwasser weg, jetzt wird ernst gemacht.
Am Wochenende war ich in Paris. Kann man machen, muss man aber nicht machen. Ich habe mal wieder nur die falschen Fotos gemacht. Ich würde ja gerne mal gute Fotos machen, aber dann mache ich doch nur wieder doofe Fotos von Sachen, die alle Fotografieren. Mir fehlt das Auge. Leider bin ich Reflexfotograf. Ich hole die Maschine raus, wenn alle die Maschine rausholen und dann mache ich Bilder von Notre Dame, dem Eiffelturm oder von dem Fluss mit Booten. Wenigstens weise ich niemanden an, er solle so tun, als halte er den Eiffelturm in der Hand oder stütze sich daran ab oder sowas.
Auf dem Rückflug erfuhr ist zum ersten mal ein Update. Ich flog Business Class. Ist auf Kurzstrecke jetzt irgendwie nicht so ergiebig, aber ich will nicht undankbar sein. So kommt man wenigstens schnell raus aus dem Airbus. Links vor mir saß jemand aus dem Vorstand einer großen Baumfirma (heisst zumindest so, wie ein Baum) und las Vorstandsunterlagen: "Leading at [insertnameofcompanythatistoobigtofail]. Jetzt wundere ich mich wieder etwas weniger. Dazu gab es Puffbrause aus dem Plastikbecher. Naja, die Leute müssen ja auch leben, gell?
Wo wollte ich hin? Geht ja wieder alles total durcheinander, heute.
Genau. Der Umzug. Ich sitze jetzt voll VIP-mässig in einem der oberen Stockwerke mit voll korrektem Ausblick auf Frankoforte. So sieht es aus, wenn man aus meinem Bureau schaut:

aussicht1.jpg

Leider sitze ich nicht direkt am Fenster, sondern da, wo mir ein dicker Balken die Aussicht versperrt und deswegen sehe ich folgendes, wenn ich meinen Blick vom Schlüsselbrett zum Fenêtre schweifen lasse:

aussicht1.jpg

Naja, ich bin ja nicht zum Spaß auf der Welt, sonder für was anderes.
In diesem Sinne: Ab in die Rinne.

Posted by banana at 08:10 FM | Comments (17)
September 14, 2012
Was tut man nicht alles

Vor kurzem war ich ja in Frankreich. Zum achterbahnfahren und autofahren und schlafen und sonst nichts (mal eine Frage am Rande: Hätte ich da jetzt achterbahnfahren, autofahren und schlafen groß schreiben müssen und wenn ja, warum? Substantivierte Verben oder was? Wird echt mal Zeit, dass ich mir die grundlegenden Regeln der Rechtschreibung mal reinziehe). Das war sehr interessant, speziell und anstrengend und auch sehr warm.
Die Franzosen haben an den Küsten so eine Sache, die "Luna Parks" heisst. Davon gibt es eine ganze Menge und eigentlich handelt es sich dabei um Kirmessen, die die Sommersaison über an einer Stelle sind.
Am Abend zieht es dann die Urlauber aus den umliegenden Hotels und Campingplätzen zum Fahrvergnügen.
Uns zog es natürlich auch zum Fahrvergnügen und weil wir so wenig Zeit hatten, zog es uns an einem Abend bis morgens um zwei zum Fahrvergnügen. So lange haben die Luna Parks nämlich auf. Unwahrscheinlich praktisch, wenn am vor hat, sechs von den Dingern an einem Abend zu besuchen.
Auf/In einem der Luna Parks stand dieses Fahrvergnügungsgeschäft:

toboggan.png

Ich kenne die Dinger unter dem Namen Toboggan, wobei auch eine Menge anderer Sachen Toboggan heissen und ich mir nicht so sicher bin, was das eigentlich bedeutet. Ich glaube, sowas, wie "Rutsche". Könnte aber auch was anderes sein.
Wenn man als achterbahnzählender Achterbahnfreund verpflichtet ist, mit allen Fahrvergnügen zu fahren, die entfernt eine Achterbahn sein könnten, dann hat man ein ambivalentes Verhältnis zu machen Geräten. Es führte jetzt zu weit, dieses Thema zu vertiefen, aber die Toboggans gehören auf jeden Fall zu der Sorte, mit der man in der Regel nur ein einziges Mal fährt. Angenehm ist etwas anderes. Aber lustig ist es schon, das muss ich zugeben.
Man wird in ein sehr kleines Wägelchen gesetzt. Der Wagen hat in gefähr die Form eines sehr kleinen Renault 4, bei dem man das komplette Dach nach vorne klappen kann, dessen Scheiben durch Gitterbleche ersetzt worden sind, der hinter den Vordersitzen abgesägt worden ist und der eigentlich auch gar nicht aussieht, wie ein kleiner Renault 4. Ich habe leider keine Fotos davon gemacht. Ok, mein Fehler. Ich war halt sehr aufgeregt, ungefähr so, wie vor einer Knieoperation.
Hat man dann in dem Wägelchen Platz genommen, dann klappt der Junge Mann zum Mitreisen den Deckel zu. Zwischen dem Kopf und dem Blechdeckel hat man dann als 1.78m wüchsiger etwa fünf Zentimeter Platz. Bei der ersten Fahrt findet man das total ok, aber da weiss man auch noch nicht, was kommt.
Wenn alles verschlossen ist geht es los. Man wird an einer Kette in dem Turm senkrecht nach oben gezogen. Und wenn das kleine Wägelchen an sich noch nicht genug klaustrophobische Angstschübe ausgelöst hat, dann tut es die Enge und die Dunkelheit und der Geruch nach altem Schmierfett innerhalb der Röhre auf jeden Fall. Ich kann im Rohr nichts anderes denken, als "hoffentlich bleibe ich jetzt nicht stecken" und mein Verstand redet mir dann auch jedesmal ein, dass es eigentlich logisch wäre, stecken zu bleiben, denn die Mechanik ist einfach, alt und wird alle Nase lang auseinander- und wieder zusammengeschraubt, denn es handelt sich um ein reisendes Geschäft, was man gut an den LKW-Reifen erkennen kann, die an allen Ecken und Enden hervorlugen. Sieht ein bisschen aus, wie ein Transformer, aber nicht so zuverlässig.
Hat man den Aufzug in der Röhre hinter sich, dann fährt man die Spirale runter. Das ist der schöne Teil. Man wird nicht besonders schnell, man kann sich die Gegend anschauen und das Rohr hat man ja auch schon erfolgreich hinter sich gelassen.
Der schlimme Teil ist auf dem Foto gut zu sehen: Es ist diese letzte Vertiefung in der Schiene. Dort kommt man nämlich mit genug Zacken aus der Spirale an, als es einem den Boden unter dem Hinter wegzieht, weil das Wägelchen sich den Abhang hinterstützt. Als man sich noch wundert, schlägt man mit dem Schädel gegen das Blechdach und auf den Schmerz im Kopf wartend, setzt auch schon der Hintern derartig auf der mäßig gepolsteren Sitzbank auf, dass es einem das Rückgrad derartig staucht, dass man Kopfschmerzen schlagartig vergisst.
Betäubt kehrt man zurück in die Station, das Dacht wird aufgeklappt und man verlässt den Wagen, ohne sich daran später erinnern zu können. Schmerzensfreunde, Betrunkene und Kinder stellen sich dann gleich wieder an.
Ich hatte leider keine Zeit mehr.

Posted by banana at 10:10 FM | Comments (20)
September 04, 2012
Essen in Frankreich

Kaum schreibt man mal ein, zwei Monate nichts und dann kommentiert jemand, dann ist das ganze Layout komplett am Släsch im Saque. Das ist nicht sehr freundlich gegenüber dem Autor des Blogs und das bin ich.
Schlimm.
Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich in Frankreich. Leider habe ich nicht so viel von dem Land gesehen, obwohl ich es einmal von Ost nach West und von Mittelwest bis Mittelsüd durchquert habe, aber das ist eine andere Geschichte.
Was ich sagen will: Die Franzosen sind ja gar nicht so, wie man sie sich in seinen schlimmsten Träumen vorstellt. Sie sind auch nicht das genaue Gegenteil. Sie sind eigentlich relativ normal. Das ist doch schön. Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten und normale Leute sind eigentlich auch ganz ok. Zuminderst kann man mit ihnen umgehen, ohne, dass die Haare sich im Grab rumdrehen müsssen.
Wobei man natürlich auch einräumen muss, das der Begriff "normal" auch sehr subjektiv ist. Für den einen ist es normal, ein Brot mit Salami zu essen, während der andere im Motorgleitschirm über die Wetterau fliegt un einen Lärm macht, dass den Kühen die Hörner vibrieren.
Ich bin ja so ein Typ. Wenn ich in Frankreich bin, dann denke ich immer, dass die ja alle nur Französisch können und hören wollen und so weiter und so fort. Das übliche Voruteil hier nimm dem Jägerfrosch und sei ruhig.
Deswegen bestelle ich da auch meistens auf Französisch, wenn ich was zu essen haben will. Das Doofe dabei ist, dass mein Französisch total schlecht ist. (Hier so einen Satz einfügen mit umgekehrt proportional und viel hintergründigem Witz, als Aufgabe für den Leser).
Ich wollte also Pommes essen und überlegte mir vorher, was ich sagen wollte, wie das so meine Art ist.
Ich dachte mir: "Aha! Pommes, das kommt ja aus dem Französischen. Wie heisst das denn richtig? Ja! Es heisst Pommes Frites. Bingo, bongo, was bin ich doch für ein blitzgescheiter Kerl." (aus dem Gedächtnis wiedergegeben, der tatsächliche Wortlaut kann abweichen).
Als ich also an der Reihe war, bestellte ich, in makelloser Französischer Aussprache "Pommes Frites". Die Dame schaute mich ratlos an. Nicht überheblich ratlos, sondern eher so bemüht ratlos. Das hielt mich nicht davon ab, zu denken "Was ist denn das für eine doofe Pluntze? Kaum spricht man mal eines von ihren affigen Worten etwas falsch aus und dann tun sie so, als würden sie es nicht verstehen". Ich beugte mich also vor und wiederholte meine Bestellung in noch makelloserem Französisch und auch etwas lauter: "Pommes Frites, s'il vous plaît".
Ihre Miene erhellte sich. Sie hatte verstanden. Geht doch.
Sie ging zu einem Kühlschrank hinter sich, was mich schon etwas wunderte und entnahm ihm etwas. Mit einem freundlichem Lächeln gab sie mir einen kleinen Beutel und tippte den Betrag in die Kasse, damit ich ihn lesen konnte. Ich lies mir nichts anmerken, lächelte und zahlte.
Ja, sie sind uns sprachlich überlegen, die Franzosen.
Ich bekam einen kleinen Beutel mit Fruchtpüree, das unter anderem auch Äpfel enthielt.
Verärgert versteckte ich mich hinter einem Stein und mümmelte meinen Brei.
Moment.
Kartoffel heisst Pomme de Terre. Pomme heisst Apfel. Ich hatte also wohl frittierte Äpfel bestellt. Dann war mein Fruchtpüree also nicht ganz daneben. Wieso heisst der Scheiss bei uns auch so falsch?
Ich war immer noch hungrig. Deswegen lungerte ich etwas in der Nähe des Verkaufsstandes herum und belauschte die anderen Leute. Irgendwann bekam ich dann heraus, dass Pommes hier wohl "Frites" heissen.
Ich stelle mich an einer anderen Schlange an, um sicher zu gehen, nicht wieder bei der Obstverkäuferin zu landen und bestellte schließlich ganz einfach "Frites" (ohne S'il vous plaît oder wie man das schreibt). Sie fragte "petit ou grande?" ich sagte "grande" und bekam dann endlich Pommes Frites.
Geht doch.

Posted by banana at 07:56 FM | Comments (37)
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