April 30, 2012
Über die Brookland Bridge

Die Brookland Bidge verbindet den New Yorker Stadtteil Brookland mit dem New Yorker Stadtteil Manhattan. Trotzdem heisst sie nicht Manhattan Bridge. Warum ist das so?
Die Antwort ist so: Es gibt schon eine andere Brücke, die Manhattan Bridge heisst. Diese Verbindet den New Yorker Stadtteil Manhattan mit dem New Yorker Stadtteil Brookland. Sie ist aber weiss und blau und die Brookland Bridge ist steinfarben.
Die Brookland Bridge ist die berühmteste Brücke der Welt. Sie steht dort oben neben anderen berühmten Brücken, wie der Golden Gate Bridge (die übrigens rot ist), der Harbor Bridge aus Sydney und dem Eisernen Steg. Und der einen Brücke in Schweden und der Tower Bridge aus London.
Ich lief über die Brookland Bridge zu Fuß. Als Touristenattraktion ist das sehr beliebt, weil das viele machen. Dabei schwenken die Touristen teure Fotoapparate und werfen sich derartig in Pose, dass man glaube, die Brücke täte schwanken. Das macht sie aber nicht wegen den Poseschmeissern, sondern wegen dem Autoverkehr, der auch über die Brücke stattfindet und zwar auf mehr als vier verschiedenen Ebenen. Gegen diese Vibrationen der Fahrzeuge nehmen sich die Vibrationen der Touristen geradezu gering aus und können im Koeffizient benachteiligt werden.
Ebenfalls sehr berühmt ist die Brücke bei Radfahrern. Sie haben auf der Fußgängerspur ihre eigene Spur, auf der sie munter Radeln können. Gerne auch mal etwas flotter und mit blinkenden Lampen und reflektierender Kleidung verziert. Die Spur für die Fußgänger ist genau so breit wie die Spur für die Radfahrer. Darüber hinaus gibt es auch viele Jogger, die die Brücke im Dauerlauf überqueren.
Insgesamt herrscht ein sehr munteres Treiben auf der Brücke. Und eng ist es auch, wegen der Masse an Fußgängern, Joggern und Radfahrern. Die Launen der Gruppen lassen sich in o.g. Reihenfolge so darstellen: Gut, schlecht, schlecht.
Die Touristen sind gut gelaunt, weil sie über die Brooklyn Bridge laufen (ich erinnere: die beste Brücke der Welt in den Kategorien "Aussehen", "Berühmtheit" und "Imposanz"), die anderen beiden sind schlecht gelaunt, wegen: Touristen.
Der Zorn der Jogger und Radfahrer ist verständlich, denn Touristen sind wirklich ein kreuzblödes Scheissvolk. Sie sehen blöd aus, kennen sich vor Ort fast nicht aus und sind im derartig berauscht vom Gefühlstaumel, dass sie eigentlich nicht freilaufend am öffentlichen Verkehr teilnemen sollten.
Allerdings ist es etwas doof von den Joggern und von den Radfahrern, sauer auf den Touristenkörper zu sein, denn er erneuert sich ja ständig.
Ist man also aus Erziehungsgründen einem Touristen so richtig dolle auf den Fuß gejoggt oder wild blinkend in die Haxen geradelt, dann wird das keine mittel- bis langfristig keine Besserung bringen, denn am nächsten Tag, ja, in der nächsten Stunde, wird der Touristenstrom schon durch neue Individuen befüllt sein, denen dieses Lehrstück noch nicht zuteil wurde.
Es bringt also nichts. Vielleicht ist es für die innere Dampfung und Sauerheit ganz gut, wenn man so ein rüpelhaftes Verhalten an den Tag legt aber sehr schlau ist es nicht.
Ich habe noch niemals von jemandem gehört, der sagte: "New York ist ja ganz nett, aber da will ich nicht hin, weil die Joggers auf der Brookland Bridge so rüpelhaft sind".
Schlauer wäre es also, sich eine andere Jogginstrecke zu suchen. Mir ist sowieso schleierhaft, warum man ausgerechnet da joggen muss. Es wird aber bestimmt Gründe geben.
Bei den Radfahrern ist das schon anders. Ich denke mal, die schaffen in Manhattan und wohnen in Brookland. Aber vielleicht wäre die Manhattan Bridge eine Ausweichmöglichkeit? Die hat eine ganze Seite nur für Radfahrer. Vielleicht ist die Brookland Bridge aber auch nur eine willkommene Gelegenheit, um Dampf abzulassen.
Ich fand die Brookland Bridge so: Sehr groß. Erhaben. Beindruckungsvoll. Voll. Touristisch.
Guten Tag.

Posted by banana at 11:10 FM | Comments (11)
April 27, 2012
New York, New York

Ich war ja in New York.
Das war mein zweites Mal dort. Zum ersten Mal war ich da im Jahre 2006. Da habe ich den Flughafen gesehen und Coney Island und das wars.
War ok.
Jetzt kenne ich mich besser aus und ich sage: Da muss man nicht hin.
Im Grunde ist das eine größere Version von Frankfurt, nur, dass bei denen Offenbach im Norden liegt.
Vielleicht wäre der Eindruck ja besser, wenn man nur im Island Hoppers Hubschrauber über die Stadt fliegen würde. Ich bin da aber zu Fuß durch und mit der U-Bahn und da ist es eben, wie Frankfurt, nur größer.
Die Leute laufen einem genau so blöd vor die Füße, wie in Frankfurt. Jeder, der denkt, dass es da irgendwie anders sei, als anderswo, der ist leider schief gewickelt. Natürlich gibt es da mehr Superstars und tolle Leute und interessante Leute, aber nur, weil es da mehr Leute gibt. Prozentual sieht das auch nicht anders aus, als anderswo.
Die Leute laufen einem da genau so blöd vor die Füße, wie überall. Die einen machen das, weil sie sehr spät dran sind und weil sie Touristen nicht leiden können und weil das ihre Art ist, den Touristen zu signalisieren, dass sie sich gefälligst aus ihrer Stadt zu verpissen hätten, weil sie sie daran hindern, wahnsinnig wichtige Dinge zu tun. Zumindest Dinge, die in ihren Augen wahnsinnig wichtig sind.
Ist ja auch wirklich blöd, so als Tourist, weil man natürlich immer auf den ersten Blick als Tourist zu erkennen ist. Weil man nämlich so praktisch gekleidet ist. Weil man ja sehr viel zu erledigen hat. Weil das Programm ja so straff ist und weil da für Chique kein Platz ist.
Deswegen hat man sehr bequeme Turnschuhe an den Füßen und eine Bunte Regenjacke um den Leib und einen Rucksack auf dem Rücken. Fertig ist das Instaspot-Touri-Outfit. Und fertig ist man als Opfer von Leuten, die einem wahnsinnig wichtig vor die Füße laufen.
Wie in Frankfurt, nur da kommen auf einen Touri eben mehr wahnsinnig wichtige Leute. Deswegen ist Frankfurt härter als New York.
Die anderen Leute laufen einem vor die Füße, weil sie wahnsinnig verpeilt sind. Ich entschuldige mich für die platte Wortwahl, aber ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Die Verpeilten sind vornehmlich Asiaten. Das mag rassistisch klingen, ist aber meine Meinung. Das positive Bild, das ich von Asiaten im Allgemeinen habe, hat in New York stark gelitten, wegen: Verpieltheit. Ich glaube, ganz Asien schickt seine verpeilten Kinder nach New York, um dort ein Peilpraktikum zu machen. Das brechen sie dann nach einer Woche ab und irren fürderhin durchs Leben, verwirrt und kurz vor dem Staunen.
Wiederum eine andere Gruppe der vor-die-Füße-läufer sind die Trullas, die mit ihrem Smartphone beschäftigt sind. In der Regel chatten die mit ihrem iPhone mit einer anderen Trulla, die gerade auch erfahrungshungrigen Touristen vor die Füße läuft. Wahrscheinlich darüber, wie viele Leute ihnen gerade vor die Füße gelaufen sind. Oder über andere wichtige Themen.
Die Tokioter haben das irgendwie besser drauf. Zumindest hatten sie das 2009, als ich da war. Die können auf dem Handtelefon rumdrücken und trotzdem durch den Großstadtdschungel eilen, ohne einem vor die Füße zu laufen. Möglich macht das einzig die Tatsache, dass sie die ganzen Verpeilten ausser Landes geschickt haben. Und vielleicht auch, dass es iPhones in Japan einfach nicht so verbreitet sind.
In der Regel ist das New Yorker vor-die-Füße laufen reine Boßhaftigkeit. Und dagegen gibt es eine Taktik: Einfach ignorieren. Die Leute laufen Dir nämlich nur vor die Füße, weil sie wissen, dass Du ausweichen wirst. Das habe ich daran gesehen, dass den verpeilten Asiaten niemals jemand vor die Füße läuft, weil es dann nämlich unweigerlich zur Kollision kommen würde. Deswegen: Einfach so tun, als würde man nach oben schauen (Serviervorschlag). Dann denken die "Scheiss Touri, der schaut nach oben, dem weiche ich mal lieber aus" und Zack! Schon geht man entspannt in seinen bequemen aber sehr hässlichen Turnschuhen.
A propos hässliche aber sehr bequeme Turnschuhe: Die trägt auch der New Yorker. Gerne auch zum Anzug.

Posted by banana at 10:05 FM | Comments (14)
April 18, 2012
Huhn im Bratschlauch

Am Wochenende sah ich Teile ein Talkshow. Ich schaue mir manchmal gerne Sendungen an, in denen Menschen vorkommen, die ich nicht leiden kann. Ich tue das, um meine ablehnende Haltung gegenüber diesen Menschen zu bestätigen. Ja, ich kenne diese Leute nur aus dem Fernsehen. Ja, das ist doof. Ja, ich könnte meine Zeit sinnvoller verwenden.
In dieser Talkshow fragte die Moderatorin (die war der Grund, warum ich die Sendung anschaute) einen bekannten Fernsehkoch, was denn das beste Essen sei, dass man für ein Date kochen kann (ich kann hier rückstandslos "Date" schreiben, weil die Moderatorin das Wort auch benutzt hat, was unter anderem ein Grund dafür ist, warum ich die Sendung angeschaut habe). Der Koch sagte, dass das wichtigste bei solch einer Verabredung ja sei, möglichst viel Zeit mit seinem Gast zu verbringen und dass es darum wichtig sei, ein Essen zuzubereiten, das sehr wenig Aufmerksamkeit verlange. Aus diesem Grund würde er Hähnchen im Bratschlauch empfehlen.
Das verwunderte die Moderatorin sehr und sie stellte auch sicher, dass jeder Zuschauer ihre Verwunderung mitbekäme und sie sagte, dass man mit Hähnchen im Bratschlauch heutzutage ja wohl keine Frau mehr ins Bett bekommen würde.
Ich finde das bemerkenswert, weil mir sofort Fragen durch den Kopf schossen: In welcher Zeit war diese Bemerkung witzig? Welches Frauenbild hat diese Frau? Welches Männerbild hat diese Frau? Welches Hähnchen im Bratschlauch Bild hat diese Frau.
Ich dachte nicht weiter darüber nach. Und schaltete um, weil meine Abneigung schon nach kurzer Zeit bestätigt war.
In der gleichen Sendung hatte übrigens Ingo Appelt kurz davor "Ficken" gesagt. Die Moderatorin war im Bild und machte ein "Er hat Ficken gesagt" Gesicht, blickte sich schnell um, um die Reaktionen der anderen Gäste und des Publikums aufzunehmen und als sie sah, dass keiner sich empörte, grinste sie.
Ja, sowas fällt mir auf. Was mir nicht auffällt: Auf welcher Art von Sitzgelegenheiten saßen die Teilnehmer, wie sah die Tischdekoration aus und welcher Art waren die Wände gestrichen.
Sowas fällt Frauen auf. Mir nicht. Das ist der Grund, warum es Pornos für Frauen gibt, in denen die befickten Zimmer schön möbeliert sind. Für mich ein klares Thema verfehlt. Aber vielleicht gibt es ja auch Strickzeitungen für Männer, in denen die Strickerinnen rattig scharfe Feger sind.
Ansonsten rege ich mich natürlich auch über die Berichterstattung aus Norwegen auf. Auf einer Seite gab es sogar einen iIcker mit Uhrzeiten und Ereignissen. Mir hätte es gereicht, zu erfahren, dass der Prozess begonnen hat und irgendwann zu erfahren, dass der Prozess zuende ist und zu welchem Urteil man gelangt ist. Alles andere ist überflüssig.
Natürlich bin ich auch nicht der Einizige, der sich darüber aufregt, deswegen gab es auch gestern im Fernsehen einen Beitrag, der thematisierte, in welcher schlimmen Zwickmühle sich die armen Medien doch befinden würden, weil sie über den Prozess berichten müssen.
Ich kriege gleich Mitleid.
Achso, eins noch, was mir noch aufgefallen ist (weil heute internationaler Tag des auffallens ist): Auf Welt online steht, dass der Attentäter kaum Bücher gelesen habe, und sein Wissen aus der Wikipedia habe.
Was lernen wir daraus? Wenn man Bücher liest, wird man schlau, wenn man Wikipedia liest, wird man nicht schlau (und eventuell gefährlich) und ich lese die Schrottberichterstattung trotzdem.
Schlimm (Sven Regener).

Posted by banana at 11:25 FM | Comments (7)
April 12, 2012
Gegen die Musik

Gestern habe ich gelesen, dass sie jetzt einen Mann abgemahnt haben, weil er auf seiner Facebook Seite ein urheberrechtlich geschütztes Bild stehen hatte. Das hatte er nichteinmal selbst dort veröffentlicht, sondern das hat ihm ein anderer Nutzer da draufgepappt.
Ein weiterer Grund dafür, dass das Urheberrecht angepasst werden sollte. Oder dafür, solche Anwälte zu maßregeln.
Andererseits - wenn solche Leute dazu beitragen, dass Leute, die das Urheberrecht anpassen wollen gewählt werden, dann ist es doch gut. Ist nur doof, wenn man derjenige ist, der dann dafür blechen muss.
Abgesehen davon hatte ich schöne Tage und ein schönes Osterfest.
Schlimm war nur die viele Musik. Musik, Musik, Musik, die ganze Zeit. Auch nachts. Tagsüber kam die Musik aus den Lautsprechern des Computersystems, in der Nacht standen sie an bedrahtetem und befelltem Holz und schlugen darauf ein. Dazu riefen sie laute Worte, die ich nicht verstehen konnte.
Muss das denn wirklich sein? Diese Musik? Diese akustische Unweltverschmutzung?
Ist es denn so schlimm, wenn es mal still ist? Nein, das ist nicht schlimm, das ist schön. Es ist auch schön, wenn es mal länger still ist.
Und dann dieses reden.
Muss man denn dauernd etwas sagen? Es ist doch schon so viel gesagt worden. Je älter man wird, desto mehr hat man doch gesagt und dann ist es doch auch irgendwann mal gut. Wenn man alle Wortkombinationen durch hat, dann sollte man schweigen.
Scheint aber nicht zu gehen.
Und wenn Musik gespielt wird, dann wird lauter geredet. Und dann wird die Musik lauter gemacht, damit man noch lauter reden muss.
Musik, reden, Musik, reden. Es ist zum traurig werden.
Und dann dieses Schreiben. Wenn nicht geredet wird oder Musik herrscht, dann wird geschrieben. Muss das denn sein? Kann man nicht einfach nur dasitzen und spüren, wie man älter wird? Nein, das geht nicht. Musik, reden, schreiben.
Und dann dieses Essen. Und dieses Trinken. Und dieses Lullu machen. Und dieses A-a machen.
Und dann dieses Schlafen.
Wenn keine Musik herrscht oder geredet wird, geschrieben wird oder gegessen wird, getrunken wird oder Lullu oder A-a gemacht wird, dann wird geschlafen. Bis in die Mittagsstunde hinein wird geschlafen. Weil sie so müde sind von der Musik und vom reden und vom Essen.
Ist ist schlimm.
Und dann dieses Tanzen.
Einkaufen ist auch doof.
Sonst war es aber wirklich schön.

Posted by banana at 02:12 EM | Comments (6)
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