April 29, 2011
Tag der Bereifung

Vor vielen Jahren, als in Frankfurt noch Eishockey gespielt wurde, saß ich dort auf einem Sitz, während die Frankfurt Lions unten mit Holzschlägern auf einen Puck eindroschen.
Da ertönte so ein Fangesang "Steh auf, wenn Du Adler bist" und eigentlich alle um micht herum, standen auf. Ich aber nicht. Mein Kumpel fragte mich, ob ich denn zu den Adlern aus Mannheim halten würde und ich sagte ihm, dass ich nicht aufstehen würde, nur weil mir das irgendjemand sagt. Ich bin nunmal so.
Aus Prinzip!
Und dann kam Facebook. Und dann sind irgendwie Leute auf meine Freundesliste gekommen, die Sachen schreiben, die mit "Kopiere das in Deinen Status, wenn Du..." enden. Der Höhepunkt war bis jetzt das hier:

Ein Kind sagt zu seiner Mama:"Mama,ich hab dein Bettlaken mit Lippenstift angemalt".Aus Wut verprügelt sie ihr Kind, bis dieses bewusstlos da liegt.Reuevoll und in Tränen aufgelöst bittet sie ihr Kind die Augen aufzumachen,aber es ist zu spät. Sein kleines Herz hat aufgehört zu schlagen.Im Schlafzimmer auf dem Bettlaken stand:"Ich Liebe Dich, Mama".....
Kopiere den Status wenn du gegen Kindermisshandlung bist.....

[sic!]

Gut, abgesehen davon, dass man nach Kommas Leerzeichen machen sollte, dass plötzliche Wechsel in der Erzählzeit nicht so waffe sind und dass das Kind eine Rechtschreibschwäche hat, stört mich sowas ungemein. Aus Prinzip!
Warum sollte ich mich mit solch einer Scheissgeschichte verunzieren, um zu zeigen, dass ich gegen Kindesmissbrauch bin? Das Ganze impliziert nämlich, dass ich, wenn ich diese Tränendrüsendrückerei nicht weiterschicke, für Kindesmissbrauch bin. Ich bin aber weder für Kindesmissbrauch, noch will ich mit solchen Ansammlungen von Buchstaben in Verbindung gebracht werden. Ich glaube, das ist das Problem.
Man sollte sowas verbieten. So wie Kettenbriefe. Und man sollte Leuten die Facebook-Freundschaft kündigen, die sowas auf Facebook schreiben. Und dann sollte man noch böse gucken.

Posted by banana at 12:40 EM | Comments (15)
April 28, 2011
Aufhören ist leicht. Ich finde nur nicht wieder anfangen schwer

Wenn man als man ganz traurig ist, niedergeschlagen und von sich selbst enttäuscht, wenn man mal wieder bewiesen hat, dass man gar nichts kann, dass man langsam ist und dumm, uncharismatisch und nicht durchsetzungsfähig, dann gibt es immer einen Gedanken, der einen wieder aufrichten kann: Als Spermazelle hat man das Rennen gegen Millionen andere gewonnen. So schlecht kann man also nicht sein.
(Ok, man muss dann schon etwas doof sein, denn der weiterführende Gedanke wäre dann eigentlich, dass die anderen ja noch schlechter gewesen sein müssen, als man selbst, richtige Oberversager müssen das ja wohl gewesen sein, aber das wollen wir hier man ausschließen).
Ich nehme aber an, dass das ein Männergedanke ist, weil sich die Männer eben eher mit Sperma identifizieren können.
Wie sehen das denn die Frauen? Identifizieren die sich dann mit dem Eizellenteil? So eine Eizelle macht ja nicht viel. Viel mit Wettrennen ist da ja nicht. Gibt ja immer nur eine zur Zeit (ok, manchmal auch mehr, aber das wollen wir hier auch mal vernachlässigen, weil heute Einfachtag ist). Die Eizelle sitzt wartet einfach nur vor sich hin.
Oder ist das alles ganz anders, bei den Frauen. Ist das der Grund, warum Männer immer kämpfen müssen?
Andererseits entsteht so ein Mann ja auch aus einer Eizelle und einem Spermium, genau, wie eine Frau, also haben die Frauen natürlich auch das Wettrennen gewonnen. Wie ist das denn überhaupt?
(Das habe ich jetzt selbst geschrieben und nicht abgetippt, also für den Fall, dass es sich nicht so schön liest, Ihr Lappos)

Posted by banana at 02:53 EM | Comments (23)
April 26, 2011
Tote Hose in Wetzlar

Das ne ganz einfach Sache: Es gibt hier in Wetzlar einfach keine Läden mehr, wo
man hingehen kann. Lebensmittelgeschäfte. Es gibt keinen Aldi mehr hier. Es gibt
grade noch nen Norma. Und es ist ja eine Tatsache, dass Altstadt. Wetzlar, die Altstadt und diese sogenannte - wie nennt man das? "High Socienty Boulevard", die Bahnhofsstraße oder die Langgass entwickeln sich immer mehr zur Toten Hose. Und die Altstadt kann nicht nur von Boutiquen leben oder von irgendwelchen Künstlern, die irgendwo Bilder in Fenstern ausstellen, die kein Mensch mehr haben will, weil es die meisten schon selber gemacht haben. Wetzlar ist - sie nennt sich zwar Kultur, weil der Goethe hier mal ein halbes Jahr gelebt hat und sein "Werthers Leiden", aber wenn sie mal wirklich nachlesen würden, was der Goethe wirklich geschrieben hat, was für ein Drecksnest Wetzlar ist. Mit der Industrie ist es auch vorbei. Wetzlar ist tote Hose und da können die sich noch so anstrengen. Da ich ein alter Wetzlarer bin, ich war zwar 20 Jahre mal weg. Brücken können sie bauen. Oh ja! Und große Häuser und nachher stellen sie fest: Keiner will sie haben.
Fangen wir doch dahinten, Lahnhof an: Tote Hose. Tote Hose. Wenn man, ja gut, Herkules-Center entwickelt sich auch langsam zur Toten Hose. Jetzt kommt das Ding am Bahnhof noch dazu. Ja Herrschaften! Wer will denn da noch hingehen? Ach, jetzt kommen wieder die Zugereisten. Früher sind sie bei Buderus schaffen gegangen und bei Hensoldt und Leitz und jetzt kommen sie einkaufen, nur gibts in Herda auch schon einen Supermarkt und in Asslar auch. Und in Giessen auch und in Dillenburg und in Haiger. Überall gibt es einen. So scharf sind die alle auf Wetzlar nicht mehr.
Gut, der Norma ist ok, aber der hat ja auch nicht alles. So ein schneller, wie der Aldi hier war, da konnte man mal schnell reinfegen, rausfegen und an den Bus. Das ist weg, weg. Und der Norma kann den nicht ersetzen, den Aldi.
Nur ein Beispiel: Ich suche, weil ich gerne koche, Gewürze der Provence. Der Norma hat sie nicht. Tja, bleibt mir nur eins: Der Edeka in der Altstadt. Das ist aber nicht auf meiner Tour. Wo habe ich sie jetzt gefunden? Da unten bei so einem Billigtrödler. Der hat alle Gewürze, die wir suchen und kosten nur 80 Cent, so ein Tütchen voll. Das sind so Dinger, die einfach hier fehlen. Hier fehlt so viel. Ich meine, jedes zweite Haus ist schon Bäckerei. Bäckerei/Café. Aber hier so Beispiel: Wo gibts denn hier mal eine Kneipe, wo man sich draussen hinsetzen kann und mal auf die Frau warten kann und mal ein Bier trinken kann? Gibts nicht mehr. Der da vorne. Der schmeisst alles, was deutsch ist, raus. Jaja, das ist so ein ganz Schlimmer, der in der Spielbörse. Und dann gibts noch da hinten den Lucky. Naja. Hm. Hm. Da muss man sich auch erst verstecken, gell. Wenn ich sagen kann "Geh Du einkaufen, ich sitze hier und trinke einen Schoppen". Passiert alles nicht mehr, hier. Café. ja Café. Einer nach dem anderen. Geh doch mal irgendwo rein und sag mal "Gib mir mal ein Bier". Dann sagen die "Was ist denn das?" Aber Kaffee mit Zucker, Wasser und Olivenöl, das könnt ihr alles kriegen. Mit arabischem Heizöl, kriegst Du auch noch. Aber mal ein Bier, wo Du sagen kannst "Komm, gibt mir mal ein richtiges Bier, ich hab einmal Durst." Gibts nicht. Gibts nicht.

Posted by banana at 08:48 EM | Comments (13)
April 21, 2011
Rock on, dudes

rock_on.jpg

Und happy ostern.

Posted by banana at 10:14 FM | Comments (8)
April 18, 2011
Chivalry is dead, but you're still kinda cute

Hier sieht es ja schon wieder komplett leer aus, wenn man nichts schreibt. Ich glaube, ich muss doch mal eine eigene Software für das hier schreiben, da kann man dann so lange nichts schreiben, wie man will und es sieht trotzdem nicht so schlimm aus. Das ist der Unterschied zwischen Software und dem echten Leben: Wenn man nichts macht, dann sieht es nicht schlimm aus. Dieser Satz ist nicht ganz fertig geworden, aber die Deadline war da. Tut mir leid.
Ansonsten ist der Urlaub vorbei und ich habe sogar alles überlebt, inklusive der Flüge. Vorher glaube ich das ja immer nicht und treffe maßnahmen, damit ich nach meinem plötzlichen Ableben nicht wie die völlige Drecksau dastehe, aber wenn bis jetzt bin ich immer wieder heil nach Hause gekommen. Merkwürdig.
Ich kann übrigens diese nerdigen Outdoorhosen empfehlen: Ich bin jetzt zwei Wochen in einer rumgelaufen, die extra schnell trocknet und ich muss sagen, abgesehen davon, dass man wie ein deutscher funktionsoptimierter Oberschüler aussieht, sind die Dinger echt zu empfehlen: Sonnencremeflecken werden innerhalb eines halben Tages vom Gewebe aufgesogen und gleichmäßig über die ganze Hose verteile (vgl.: Osmose). Nach einer Waschung mit Reisewaschmittel und einer anschließenden Aufhängung in der Dusche ist die Laube am nächsten Morgen wieder staubtrocken. Die Taschen sind mit Reisverschlüssen zu verschließen, was bedeutet, dass übervorsichtige singapurlesische Achterbahnaufpasser einen sogar mit Mobiltelefon in die Achterbahn lassen. Überhaupt habe die in Singapur alle einen leichten Sicherheitsknall. Alle Sätze, die man dauernd und überhall vorgesagt bekommt, fangen mit "For your savety" an. Da kann man das auch weglassen.
Abgesehen davon ist meine Seele noch irgendwo zwischen hier und Ostasien. Am Samstag wachte ich sehr erschrocken um halb neun Uhr abends vor dem Fernseher auf und wusste einige Minuten lang nicht, wo ich war, ob ich war und warum. Ich bin überzeugt, dass meine Seele für solche Dinge zuständig ist und dass sie eben noch nicht angekommen ist.
Deswegen bitte ich bisweilen um Nachsicht.
Schön war es aber trotzdem.

Posted by banana at 10:28 FM | Comments (37)
April 01, 2011
So you win again

Heute ist ja der erste April, also sollte man auf der Hut sein, dass man nicht veräppelt wird von anderen Leuten. Ich habe mich heute schon veräppeln lassen. Da habe ich dann gedacht: "Diese Idioten! Warum machen die das denn?" und dann habe ich aber später gemerkt, dass es nur eine Veräppelung war und dann habe ich gedacht "Ich Idiot! Warum merke ich das denn nicht?"
Was man jetzt sagen muss, um ein guter Deutscher zu sein. "Es ist aber auch immer schwieriger, Quatschmeldungen von echten Meldungen zu unterscheiden, weil die ja alle etwas durchgeknallt sind, in der Welt, die Leben heisst".
Deswegen bin ich mir auch gar nicht so sicher, ob die da wirklich irgendwo in der Schule einem Hasen mit dem Hammer auf den Kopf gehauen haben, ihm dann die Kehle durchgeschnitten haben und ihn dann auf dem Schulhof gegrillt haben. Egal. Es ist auf jeden Fall ein schöner Denkeranstoß, weil: Die Prä-Jugend von heute ist ja total verweichlicht. Die essen den ganzen Tag ihre Schinken Mac Noggers und wissen gar nicht, dass da Huhn drin ist und wie das Huhn hergestellt wird und in Schinken Mac Noggers-Form gebracht wird. (Achtung, Normwitz: In Schinken Mac Noggers ist ja auch gar kein Huhn drin.) [Ich komme mit den Satzzeichen mal wieder böse durcheinander]. Wenn denen also mal gezeigt wird, wie einem Hasen mit einem Hammer das Lebenslicht ausgeblasen wird, dann ist das doch gut. Dann sehen die mal, was man machen muss, damit man was zwischen die Hacker kriegt.
Der süße Hase.
Der süße Hase.
Der süße Hase.
Er ist tot, der Hase.
Das Lebenslicht von Meister Lampe wurde ausgehämmert.
Ein Gedicht:
Süßer, süßer, süßer Hase
Schnuppert mit der Schnuppernase
Wiegelt sich im Kosestreich
Ist so lieb, so warm und weich
Doch, wie mag der Hase schmecken?
Kinder sollen das entdecken
Stumpfer Hammer, Hasens Aus
Grill im Schulhof, Pausenschmaus

Ende des Gedichtes.
Es ist übrigens nicht angegeben, ob man das Fell des Tieres noch gegerbt hat und daraus - vielleicht im Werkunterricht - ein paar Stiefeletten gefertigt hat. Das gehört ja auch alles zum Verwertungskreis der Tiere dazu. Schön auf das Fell pissen und es dann ein paar Tage in der Sonne stehen lassen, wo es lecker vor sich hin jaucht. Gehört ja auch alles dazu, zur Verwertung. Das sollen dir Kinder ruhig auch mal lernen und sehen und erleben. Geht doch nicht, dass das Fell einfach weggeworfen wird, in dieser Überflussgesellschaft.
Wir hatten früher Handarbeiten in der Schule. Als Fach. Und Werken. Die Jungs machten Werken, die Mädchen machten Handarbeit. Wie heisst das denn heute? Das war ja komplett politisch unkorrekt, damals. Das geht doch nicht. Ich finde es ja auch total scheisse, das es Mädchen heisst. Das Mädchen. Sächlich. Das geht doch nicht! Ja, das geht doch nicht!
Wie gesagt: Ein schöner Denkanstoß ist das mit dem Hasen. Und jetzt alle: Früher haben wir auch immer beim Sauenschlachten das Blut gerührt. Das hat uns auch nicht geschadet.
Ich esse ja Hasen nicht so gerne. Weil es Hasen sind. Lämmer auch nicht. Aber das ist alles eine Frage der Wahrnehmung.
Darüber hinaus leide ich, weil mir schon seid zwei Tagen das Lied "So, you win again" von Hot Chocolate im Kopf herumpurcht. Aber mit meinem eigenen Text, der sich mit "Rubbel die Katz" zusammenfassen lässt.
Und morgen fahre ich zwei Wochen in Urlaub. Hurra.

Posted by banana at 12:10 EM | Comments (16)
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