September 30, 2009
Neues aus Japan (1)

Es stimmt. Die Japaner sind wirklich nur sehr klein. Und auch die Japanerinnen. Sie sind selten größer als ein Meter und elf Zentimeter. Deswegen sieht es immer sehr lustig aus, wenn sie in die U-Bahn einsteigen. Können sie einen der begehrten Sitzplätze erlangen, dann müssen sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße erst auf den Sitz klettern. Sie legen beide Hände auf die Sitzfläche und ziehen sich dann nach oben. Die anderen Mitreisenden helfen dabei nicht und scheinen auch keine Notiz von dieser Verrichtung zu nehmen. Das liegt daran, dass die Japaner sehr egoistisch sind und daran, dass sie gelernt haben, mit vielen Leuten auf kleinem Raum zu leben. Da entwickelt sich eine Art Hornhaut auf den Augen und Ohren, die einen unempfindlich gegen die Belange anderer macht. Auch geht sämtliche Empathie flöten.
Hat der Japaner dann seinen Sitzplatz erklommen, so freut er sich sehr, ja beinahe unangemessen heftig. Einem Schintoistischem Ritual folgend klatscht er in die Hände und sagt "Hai, hai, hai!". Ohnehin sagt der Japaner oft "Hai". Das bedeutet "Ja", aber nicht im genauen Wortsinn, sondern etwas anders.
Manchmal wird der Japaner auf seinem Sitzplatz dann aber ganz traurig und auch das stellt er erstmal auf eine Weise dar, die uns als normale Menschen pantomimisch anmutet. Er reibt sich die Augen, so als würden ihm kleine Tränen über die Wangen laufen wollen.
Der Grund der Traurigkeit besteht in der Regel darin, dass der Japaner seine Getränkeflasche am Fuße des U-Bahnsitzes abgestellt hat, weil er zum Besteigen selbiges beide Hände benötigte und er die Getränkeflasche dort vergessen hat. Allgemein ist der Japaner sehr vergesslich. Das liegt auch daran, dass man mit so vielen Leuten auf so engem Raum zusammenleben muss.
Sehr wichtig für die Japaner ist auch das Handy-Telefon. Auf dem U-Bahnsitzplatz angekommen wird sofort das Handy gezückt. Dieses ist immer aufklappbar, da andere Modelle in den kleinen Täschchen dieser Gnome keinen Platz haben. Mit einem Sound, wie wenn Mechagozilla einem Seemonster den Garaus macht, schnallzt das Handy dann auf. Sofort vertieft sich der Japaner in sein Telefon. Meistens ist er dann damit beschäftigt, sich neue Krikelkrakelbuchstaben auszudenken, mit der der Japaner alles aufschreibt. Das dauert meistens zwei Minuten, dann ist der neue Buchstabe fertig und auch schon an alle Japanischen Freunde des Japaners verschickt, damit er frisch ins Internet kopiert werden kann.
Japaner haben übrigens keine Klingeltöne auf dem Handy, weil sie nie telefonieren. Sie nutzen das Handy-Telefon fast ausschließlich dazu, sich neue Buchstaben auszudenken oder sich gegenseitig zu fotografieren. Beim Fotografieren macht der Japaner übrigens immer das Victory-Zeichen. Das liegt an der Olympiade und am Eiskunstlauf aus Amerika.
Ist das Handy-Geschäft fertig, dann achtet der Japaner (beziehungsweise und insbesondere die Japanerin) auf sein Äußeres. Auf der Rückseite des Handys ist stets ein Spiegel aufgeklebt, in dem der Japaner dann überprüft, ob die Haare richtig liegen, der Teint nicht fettig glänzt, Pickel und Mitesser ordnungsgemäß abgedeckt sind und der Lidstrich Trennschärfe aufweist. Gegebenenfalls wird nachgebessert.
Ist das Äußere ok, holt der Japaner sein Buch aus der Tasche. In dem Buch stehen alle bereits erfundenen Krikelkrakelbuchstaben drin. So stellt der Japaner sicher, dass er keinen Buchstaben zweimal erfindet, denn das würde verschwendete Zeit bedeuten und wenn es eines gibt, was der Japaner hasst, dann ist das verschwendete Zeit. Da kriegt der Japaner sooo einen Hals. Auch wenn der Hals aufgrund der geringen Körpergröße dann nicht wirklich groß ist, fällt es doch auf. Man muss ja alles in Relation sehen.
Wenn der Japaner fertig mit dem Buch ist, dann checkt er sein Handy, ob es schon Reaktionen auf den neuen Buchstaben gab. Meistens ist das nicht der Fall und zur Theatralik neigende Japanen ballen dann das Fäustchen und zischen einen wütenden Fluch. Die Flüche sind so individuell, wie die Röcke der Schotten. Das überrascht, denn sonst ist der Japaner in allen Belangen ein Konformist.
Japaner, die in der U-Bahn keinen Sitzplatz ergattern konnten, sind übrigens ganz schön gearscht. Für sie besteht keine Hoffnung, die Haltegriffe, die wie dicke, silberne Glieder von der Decke baumeln, zu erreichen. Springen bleibt ohne Hoffnung, Hüpfen ohne Halt. Für diese Japaner ist das sehr tragisch, weil die Japanischen U-Bahnfahrer fahren, wie der Henker, denn sie können aufgrund ihrer geringen Körpergröße die Strecke nicht sehen und müssen so sehr zeitnah auf eventuelle Hindernisse reagieren. Ihre Fahrgäste kullern durch den Fahrgastraum, wie die Kugeln bei der Lottoziehung.
Diese armen Leute.

Posted by banana at 11:11 FM | Comments (10)
September 29, 2009
Hallo - ein Fragment

Hallo!

(Ende von das Fragment). ~ .. [...]*?

Ich wäre ja immer noch gerne einer von den Pragmatischen. Oder vielleicht wäre ich auch gerne wieder einer von den Pragmatischen, denn ich habe durchaus den Eindruck, dass ich zwischendruch mal zu den Pragmatischen gehört habe, aber irgendwie ist mir das abhanden gekommen.
Wenn ich zum Beispiel in Korea beim Abendessen sitze und mir der Pragmatische sagt, dass diese wimpernlangen, nach durchsichtigem Plastik aussehenden Dinger auf dem Teller getrocknete Fische seien und sie "etwas salzig" schmecken würden, dann wäre ich gerne auch pragmatisch.
Dann würde ich gerne auf diesen Dingern rumkauen und mir denken "schmeckt etwas salzig". Stattdessen denke ich aber daran, dass ich da gerade auf ganzen Fischen mit Augen, Eingeweiden und Eingeweidehinhalten rumkaue und dieses Bewusstsein überdeckt die sicherlich auch vorhandene Empfindung, dass diese armen Würste tatsächlich "etwas salzig" schmecken.
Oder wenn ich im Flugzeug sitze und zehn Stunden nach Hause fliege, dann wäre ich auch gerne pragmatisch.
Dann würde ich es mir gerne bequem machen, die Äuglein schließen und etwas Schlaf nachholen, einen Film anschauen oder mein Buch lesen.
Stattdessen wird mir erschreckend klar bewusst, dass ich in einem Sessel sitze, der auf etwas Blech geschraubt ist und dass zwischen diesem Blech und dem Erdboden ungefähr zehn Kilometer Luft sind. Das gefällt mir nicht. Ich habe schon einige Erfahrungen mit Luft gemacht und zu diesen Erfahrungen gehört nicht, dass man etwas sehr schweres, wie zum Beispiel ein Flugzeug, darauf legen kann und es einfach dort liegen bleibt.
Gleichzeitig wird mir bewusst, dass diese Blech-auf-Luftsache sich in den nächsten 10 Stunden nicht ändern wird und dann fühle ich mich etwas unentspannt.
Derweil kotzt sich der schräg vor mir sitzende selbst voll und verbreitet den von mir innig gehassten Geruch Koreanischen Essens. Ich erwäge einen kurzen Panikanfall, entscheide mich dann aber dagegen. Der Rest des Fluges langweilt. Vielleicht habe ich doch noch etwas Restpragmatismus.

Posted by banana at 12:55 EM | Comments (10)
September 04, 2009
Mein Statement zur Lage der Lotion

Hallo Leute,
ich schreibe hier nur was, damit das hier nicht so doof aussieht.
Ja, so ist das. Ich schreibe hier nur etwas, damit das hier nicht so doof aussieht.
Und in den nächsten drei Wochen wird sich hier auch nichts tun, weil ich nämlich nicht da bin. Ja, so ist das. In den nächsten drei Wochen wird sich hier auch nichts tun, weil ich nämlich nicht da bin.
Somit fügen sich drei Wochen Urlaub nahezu nahtlos an die sechs Wochen Urlaub an, die ich jetzt schon verbracht habe. Da wünscht Ihr Euch auch wohl so einen schönen Beruf mit so viel Urlaub, wie ich habe, oder? Ja, das ist echt praktisch, so viel Urlaub zu haben.
Aber eigentlich ist so viel Urlaub alleine gar nicht so toll. Man muss dazu auch noch hervorragend verdienen. Das macht die Sache rund, wie ein Ei. Das ist dann eine runde Sache: Viel Urlaub mit angemessenem Verdienst. Dazu viel Sport, eine positive Sicht der Dinge und Finger, die sich um die Geschmeide legen, als würden sie dort schon seit Anbeginn unserer Zeitrechnung hingehören.
Das bringts: Viel Zeit, viel Urlaub und eine fundierte Ausbildung, auf die man aufbauen kann (zum Beispiel mit Aufbaukursen oder Aufbaustudiengängen). Und aus diesem Grund werde ich vielleicht auch ins schöne Konstanz, die Stadt am Azeton fahren, um dort einen Aufbaustudiengang zu beginnen oder abzuschließen oder vielleicht auch nicht.
Ja, das bringts wirklich: Viel Urlaub, viel Geld, eine fundierte Ausbildung, auf die man aufbauen kann und eine mondäne Ader, die auch von Praktikantsärtzen, die erst am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen mit der Nadel von der Tür aus zu treffen ist. So schön prall und blau ist die, die Ader. Dick und prall ist die Ader, denn sie ist voller Saft, in dem ich bis zu den Waden stehe. Dick und prall und leicht pulsierend, mit dem Trend ins härtliche.
Ich stehe sozusagen gut im Saft, habe viel Urlaub, jede Menge Geld und bin auch noch gut aufgelegt, wie eine Scheiblette in schattigen Regionen. Mit Radieschen oben drauf. Und etwas Schnittlauch, gerade und gleichmäßig in kleine Röllchen geschnitten.
Kleine Röllchen quellen auch unter meinem T-Shirt aus Ägyptischer Graswolle hervor, denn ich bin gut genährt. Ich lutsche jeden Tag eine Nährlösung aus Tamarinde, Teufelsdreck und Schokoprinz, die mir erlaubt, mich mehrere Kilometer von der Basis zu entfernen, ohne Heimweh zu bekommen.
Und das werde ich auch zun: Ich werde mich in den nächsten drei Wochen schon großspurig von der Basis entfernen.
Ich kann mir das leisten (siehe oben). Und ich bin keine Partei.

Bis die Tage.

Nachtrag: Ich bin gerade von der obligatorischen Gehirnmessung zurück. Sie hat ergeben, dass ich ein vergrößertes Gehirn habe und ich habe jetzt so einen Schein bekommen, mit dem ich 10% Rabatt auf alle Kopfbedeckungen weltweit bekomme. Dabei steht mir sowas gar nicht. Naja. Egal. Was man hat, das hat man.

Posted by banana at 09:52 FM | Comments (52)
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