Mai 31, 2006
Wait a minute, pal

Wow. Der vierte Tag ist rum und ich habe noch keinen Sonnenbrand. Zumindest keinen Großflächigen. Kleine Stellen, kurz oberhalb der Füße sind schon verbrannt. Das zeigt mir, wie wunderbar Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 40 doch ist, denn überall, wohin ich sie nachlässiger Weise nicht geschmiert habe, sieht die Haut nun rot aus. Zumindest so lange, bis man draufdrückt, denn dann wird sie kurz weiss und dann wieder rot.
Ja, das Wetter ist hervorragend. Ich weiss im Moment nicht so richtig, wie heiss das hier ist, aber in Fahrenheit ausgedrückt sind es 90 Grad.
Der Rücken macht sich langsam bemerkbar und zwar in eine Weise, dass die obere Wirbelsäule leicht druckempfindlich wird. Das äussert sich allerdings nur, wenn sie mit mehr als 3g zusammengestaucht wird. Das kam in den letzten Tagen allerdings ziemlich häufig vor und wird auch in den nächsten Tagen noch sehr oft vorkommen.
Heute morgen hatten wir da zum Beispiel eine ERS auf Kinda Ka. Da wurde die Wirbelsäule sechs mal mit über 3g zusammengestaucht.
Oh. Kingda Ka ist die höchste und schnellste Achterbahn der Welt und eine ERS ist eine Exclusive Ride Session, das heisst so viel, wie dass für eine Stunde nur die 70 Teilnehmer der Reisegruppe mit der schnellsten Achterbahn der Welt fahren durften. Ich bin drei Mal gefahren, aber auch nur, weil ich einmal auf die erste Reihe gewartet habe und mich ansonsten sehr zurückgehalten habe.
Normalerweise wartet man auf eine einzelne Fahrt etwa eine Stunde. Will man in der ersten Reihe sitzen, kommt da natürlich noch einiges drauf.
Das kann auf die Dauer schon in den Rücken gehen, vor allem, weil wir bis jetzt jeden Tag mindestens eine ERS hatten. Das kann schonmal auf den Rücken gehen, aber das ist ein Luxusproblem.
Was ich sagen will ist: Der Trip ist toll, viel besser, als ich es mir vorgestellt habe.
Gestern abend hatten wir zum Beispiel eine ERS auf J2.
J2 ist eine Holzachterbahn, die im Clementon Amusement Park steht. Der Park war ein Überraschungspark, das heisst, er stand ursprünglich nicht auf der Liste der zu besuchenden Parks. Der Park selbst machte den Eindruck, einer Kirmes. Da hätten wir zum Beispiel das Riesenrad, aber das war auch nur lustig, wenn man dabeigewesen ist.
Im Park allerdings steht, wie gesagt, J2. Ich hatte vom der Bahn noch nichts gehört, habe mich aber aufklären lassen.
Die Bahn wurde 2004 eröffnet und hieß damals noch "Tsunami". So lange hieß sie, bis New Orleans überschwemmt wurde. Böse Zungen sagen, dass die Umbenennung nötig war, weil die durchschnittlichen Besucher des Parks wahrscheinlich einige Verwandte in New Orleans verloren haben. So nannte man ihn J2.
Im J2 Shop gab es noch einige ältere T-Shirts aus der Zeit, als die Bahn noch ihren alten Namen trug. Auf einem Shirt stand "Cry Babies don't ride Tsunami". Ich habe mir das Shirt nicht gekauft, weil ich mit dem Coaster nichts anfangen konnte. Nach meinen zwei Fahrten habe ich das bereut. Dann war der Shop aber schon zu, denn unsere ERS war von neun bis um zehn.
Das Schild, dessen Foto ich heute morgen gepostet habe, stammt von J2 und jedes Wort ist wahr. Die Bahn ist in einer wahnwitzigen Art schnell und scheint völlig ausser Kontrolle, dass ich gleich nochmal gefahren bin, weil ich es nicht glauben konnte. Dannach hatte ich aber auch genug, denn wenn man 17 Tage zum Achterbahnfahren unterwegs ist, dann sollte man sich seine Wirbelsäule nicht schon am dritten Tag ins Kleinhirn rammen.
Einge aus der Gruppe sind J2 über zehn Mal gefahren. Ich habe es bei zwei Mal belassen.
Cry Babies don't ride Tsunami. Das stimmt wohl.

Posted by banana at 03:45 FM | Comments (8)
Mai 30, 2006
Leider überhaupt keine Zeit...

...etwas zu schreiben. Jetzt geht es zum Frühstück und dann wieder auf die Achterbahn.
Das Leben eines professionellen Achterbahnfahrers ist kein Zuckerschlecken.
Ach so - wir haben schönes Wetter!

Posted by banana at 01:10 EM | Comments (5)
Mai 26, 2006
The American Adventure

So, jetzt kann ich nichts mehr machen, nur noch warten und hoffen, dass ich einigermaßen gut schlafen kann. Das Gepäck ist gepackt, abgegeben und - so hoffe ich - komplett. Auf jeden Fall vermeide ich es, darüber nachzudenken, was ich denn alles vergessen haben könnte.
Morgen früh geht es ab nach Amerika in den Urlaub.
Urlaub?
Nein, kein Urlaub, es ist etwas, was mit dem Bezeichnung "Coaster Trip" nur unzureichend beschrieben ist.
Zusammen mit 70 anderen Mitglieder des European Coaster Club werde ich 19 Vergnügungs- und Freizeitparks besuchen und die Möglichkeit haben, zirka 130 verschiedene Achterbahnen zu fahren. Um das zu möglich zu machen, geht es mit zwei Bussen durch New York, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania, Ohio, Kentucky, Georgia und durch noch ein paar andere Staaten, die mir gerade nicht einfallen.
Tja, Erholung sieht anders aus, aber ich wollte es so und ich freue mich tierisch drauf.
Also drückt mir die Daumen, dass der Welt schnellste und höchste Bahn, Kingda Ka, läuft, wenn wir da sind. Das Ding war nämlich die letzten Wochen im Eimer. Und drückt mir die Daumen, dass El Toro, die neue Holzachterbahn in Six Flags Great Adventure, geöffnet sein wird, wenn wir da sind, obwohl das ziemlich ausgeschlossen ist und drückt mir die Daumen, dass mein Rücken die Tortur lange genug aushält, dass ich Voyage, Raven, Twister, Legend, Phoenix, Kentucky Rumber, Thunderhead und wie alle die wunderbaren Woodies noch heissen mögen, ausreichend genießen kann.
Mein Notebook packe ich ein, ein paar Hotels haben angelich drahtlosen Internetanschluss, also ist es nicht ausgeschlossen, dass ich mich von unterwegs mal melde.
Bis bald,
Euer bna

Nachtrag: Wow, Internet im Flugzeug. Ich bin jetzt 10km über Grönland. Die Allee ist sogar schon bis hierher vorgedrungen. Jetzt ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Weltherrschaft :o)

Posted by banana at 08:32 EM | Comments (9)
Mai 23, 2006
Geisterjäger Bernd Kubinsky Teil 4

Kondragor existiert nicht mehr. Er hat sein altes Geisterleben ausgehaucht. Kubinsky hat ihm seinen Odem abgeknöpft.
Wer weiss, wie lange Kondragor schon in dieser Lagerhallte gehaust hatte, bevor sie abgerissen wurde? Die meisten Geister sind wie Einsiedlerkrebse. Sie wohnen in einem Haus, bis es ihnen zu klein wird, bis ein anderer, stärkerer Geist kommt und es ihnen streitig macht oder bis es abgerissen wird.
Dann irren sie eine Weile umher, bis sie eine neue Behausung gefunden haben.
In diesen modernen Zeiten sind Geister oft verwirrt. Wegen der Handy und Internet-Strahlung merken sie gar nicht, wenn das Haus in dem sie wohnen abgerissen wird. So muss es auch Kondragor ergangen sein. Wahrscheinlich war er erst ein paar Jahre in dieser Lagerhalle, aber es kam ihm vor, wie Jahrhunderte.
"Merkwürdig." denkt Kubinsky "Warum hat er dann aber mitbekommen, dass die Lagerhalle abgerissen wurde? Vielleicht war er in einem Funkloch?" Kubinsky denkt noch etwas auf diesem Gedanken herum, dann hängt er ihn hinten in seine Gehirnkommode, auf der ein Schild hängt: "Denkwürdige Gedanken - schau doch mal rein".
Kubinsky überkommt etwas Wehmut. Eine kleine Träne sammelt sich im Ostflügel seines rechten Auges. Kubinsky darf es nicht zulassen. Er zieht die Träne hoch, zu den anderen, die da wie die Fledermäuse unter seiner Schädeldecke hängen. Er hat den Kampf gewonnen. Den ungleichen Kampf. Kondragor hatte nie eine Chance. Er wusste es nur nicht. Das macht die Sache doppelt traurig. Wer war Kondragor? War er ein stolzer Geist voller Geisterfreude und Spaß am Spuken? Hat er sein Ende herbeigesehnt, das Ende dieser ziellosen Agonie? Oder war er auch nur eines dieser vielen Arschlöcher, mit denen Kubinsky andauernd zu tun hatte? Kubinsky weiss es nicht. Er wird es niemals wissen.
Oder doch?
Das Ende eines Geistes ist immer traurig, denn wenn ein Geist stirbt, dann geht auch eine Kerze aus, irgendwo im nirgendwo.
"Kondragor is no more" denkt Kunbinsky und hätte es gerne gesagt, aber es war kein Publikum da. Er hatte alle weggeschickt, damit das, was passiert war nicht in die falschen Augen gelangte. Es gibt viele Geheimnisse, die besser auch Geheimnisse bleiben.
Die Wengerfallen hatten Kondragor in tausend Partikel zerfetzt und jetzt war es Zeit, sie (die Fallen, nicht die Partikel) einzusammeln und nach Hause zu gehen. "Die Partikelzerfetzmethode ist die einzig zuverlässige Methode, um Geister für immer aus der Welt zu schaffen. Die Firma Wenger hält ein Patent auf diese einmalige Spitzenmethode." Das stand auf den Schachteln, in denen die Wengerfallen verpackt waren. "Aus der Welt schaffen" das ist auch so eine dieser Wenger-Formulierungen" denkt Kubinsky. Vielleicht waren sie aus dieser Welt geschafft, aber vielleicht landen sie sofort in einer anderer Welt? Vielleicht in einer Welt, in der wir auch alle einmal landen werden. Wer will da sein?
Es ist keine Zeit, derartigen Gedanken nachzuhängen, denkt Kubinsky. Er will nach Hause und sich in sein Bett legen. Er geht zu seiner ersten Wengerfalle. Er will sie in ihre Schale legen. Sie hat sich nicht automatisch abgeschaltet. "Was ist denn das?" denkt Kubinsky. Die alten Fallen schalteten sich immer sofort nach dem Einsatz aus. Dieses ist das neue Modell, Codename Spookarex. Auf dem Display steht "Uploading data".
Kubinsky denkt nach. Blitzschnell reagiert er und drückt auf den Einschaltknopf, der auch gleichzeitig der Ausschaltknopf ist. Die Falle reagiert nicht auf das Kommando. Zehn Sekunden später erscheint "Finished uploading data" auf dem Display. Die Falle geht aus.
Kubinsky zählt zwei und zwei zusammen, aber er kann sich keinen Reim darauf machen. Was geht hier vor?
Er steckt die Falle in ihre Schale, sammelt auch die anderen Fallen ein und fährt nach Hause.
"Myseriös, mysteriös" denkt er und schläft ein, sanft gewogen von den kleinen Wellen, die von der Mitte des Flusses bis zu seinem Hausboot laufen und dann durch ihre Amplitude das Hausbot sanft wiegen, so dass Kubinsky sangt gewogen wird. Es sind keine Wogen, es sind nur kleine Wellen, ab sie wiegen das Schiff, wobei auch nicht gemeint ist, dass sie das Gewicht des Schiffes bestimmen wollen.
(Die letzte Passage habe ich nur eingefügt, damit das Buch "Geisterjäger Bernd Kubinsky" irgendwann mal das Prädikat "unübersetzbar" erhält.)

Posted by banana at 06:59 EM | Comments (32)
Mai 22, 2006
Contains an implementation of the LZW algorithm

Ja, auch ich habe mir am Samstag den European Song Contest angeschaut und irgendwie weiss ich nicht, was ich davon halten soll. Deswegen schreibe ich es auf, das ordnet die Gedanken, schafft Raum für Neues und bildet mir eine Meinung.
Ich hatte den Abend folgendermaßen geplant: Texas Lighting aus Deutschland treten auf, zeigen allen, wo der Hammer hängt, rocken erst das Haus, dann ganz Europa und gewinnen am Ende vierstellig, während alle anderen weinend in der Ecke sitzen und sich schämen.
Es kam aber anders, wie sich am Ende herausstellen sollte. Ich war von meiner Version des Abends immerhin noch so lange überzeugt, bis es zur Vergabe der Punkte kam. Da schlug meine Siegesgewissheit in Verwunderung, Entsetzen und dann in Wut und sehr uneuropäische Gedanken um.
"Das ist doch alles Vetternwirtschaft" wetterte ich und "die haben den Ostblock doch nur in hundert Einzelteile zerschlagen, damit die sich später beim Songcontest gegenseitig die Punkte zuschachern können" zürnte ich und "wissen die eigentlich, wer ihnen ihren Amateurtanztee da finanziert? Und dann sowas! Frechheit!" drohte ich, den Geldhahn zuzudrehen. Wie ein zwei Meter großes Rumpelstilzchen hüpfte ich mit rosacearotem Kopf auf der Commando-Couch auf und ab und wollte mich gar nicht einkriegen.
"Die mit ihren Betroffenheitsbaladen, ihrem unsortierten Stilmix aus der Aluschüssel, ihrem mit Third-Hand-Hardware zusammengestöpselten Euro-Trash und ihrem mit peinlichen Breakdance-Einlagen versalzenen Bitte-Nicht-Lachen-Gedudel fürs Vorschulfest, die schaffen es, obwohl sie ach so unterschiedlich sind, so eine immer gleich klingende Mumpe abzuliefern, dass man sich schon nach dreissig Sekunden nicht mehr dran erinnern kann. Weil man sich nach dreissig Sekunden schon gar nicht mehr dran erinnern will! Sowas hätte es bei uns doch noch nicht mal über die Vorrunde von Deutschland sucht den Superstar geschafft. Da wäre sie schon knallhart abgedietert worden. Die sollen sich erstmal mit dem Konzept der zwölf Noten beschäftigen, bevor sie mir hier meine kostbare Zeit verschwenden." Ich war wirklich enttäuscht, hatte ich doch mit der Krone der Kronen für Texas Lightning gerechnet.
Aber nein, nein, nein, so sehr ich auch schmipfte - Russland fuhr damit fort, seinen zweiten Platz zu zementieren. Dabei konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr an den Russischen Beitrag erinnern.
Deutschland trieb sich abgeschlagen auf der rechten Seite des Bildschirms herum. Die rechte Seite war die Loser-Seite. Die linke war die Gewinnerseite und dort ganz oben standen von Anfang an Lordi aus Finnland.
An Lordi könnte ich mich erinnern. Lordi, das waren die Hardrocker in den komischen Verkleidungen. Nun erzielen Musiker, die sich auf der Bühne extraböse verkleiden bei mir eigentlich immer den gegenteiligen Effekt. Lordi fand ich etwas peinlich und als der Sänger mit dem Doppelaxtmikro auch noch seine Flügel ausfuhr und das Gitarrenmonster und das Bassmonster die Sprühfeuerwerke an ihren Instrumenten zündeten, da konnte ich mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen, aber immerhin blieben sie mir im Gedächtnis. Plakativ auch der Titel: Hardrock Hallelujah.
Jetzt ist egal, ob Lordi das ernst gemeint haben oder nicht. Die Dosis war ausreichend. Sie haben gewonnen und das zu Recht. Sie hoben sich nämlich aus dem sterbenslangweiligen Happy-Einheitshüpfbrei ab. Da blieb mal was im Gedächtnis hängen und es war mal nicht das übliche Song Contest-konforme Zeug, bei dem ich immer den Eindruck habe, die Komponisten hätten die letzten zehn Jahre im Atombunker verbracht, den Textern hätte man vorsorglich die Hälfte des Hirns rausgenommen und die Künstler hätte man vor zwei Wochen im Einkaufszentrum beim Kostwettbewerb aufgegabelt.
Da sei es auch dahingestellt, ob die Zuschauer Lordi gewählt haben, weil es ihnen so gut gefallen hat, weil es die einzigen Künstler waren, die im Gedächtnis geblieben sind oder weil sie vom immer gleichen Schund einfach die Schnauze voll hatten. Protestwohl, sozusagen.
Vielleicht hatten sie auch einfach nur Bock auf eine knackige Finnin als Moderatorin im nächsten Jahr.
Für mich war das Highlight auf jeden Fall der Spanishe Beitrag: Las Ketchup mit Bloody Mary oder so ähnlich. Das fand ich schon sehr unterhaltsam. Vom Format hätte es eher in eine Fremdensitzung in Nieder Gründau gepasst, aber immerhin war es Spanish und das ist doch irgendwie sexy. Als Tänzer hatte man extra androgyne TänzerInnen gewählt. Sie taten mir beim Stemmen der Sängerinnen etwas Leid, aber man konnte ihnen einfach nicht böse sein, so schön, wie sie "duty free, duty free, duty freeeeeeeee" sangen.
Übrigens - Spanien (Platz 21/24), Frankreich (Platz 22/24), Großbritannien (Platz 19/24) und Deutschland (Platz 15/24) hatten sich automatisch für den Song Contest qualifiziert, weil sie die größten Geldgeber sind. Das ist, wie bei der WM. Da können wir auch froh sein, dass der Ausrichter automatisch qualifiziert ist.
Sollen die doch nächstes Mal ihren Scheiss alleine machen!

Posted by banana at 06:57 EM | Comments (53)
Mai 20, 2006
X - Men 3: Der letzte Wiederstand

Ich verstehe das nicht, ich verstehe das nicht. Vielleicht soll ich es auch nicht verstehen, aber was ich dann nicht verstehe ist - wenn ich es schon nicht verstehen soll - dass das dann in einer solchen Art bei mir ankommt, dass ich nicht verstehen kann, wer sich sowas ausdenkt und warum es so bei mir ankommen soll. Aber vielleicht verstehe ich da auch einfach nur etwas falsch.
Aber wahrscheinlich ist das ganze noch einen Tick perfider, als ich denke und ich bin mal wieder manipuliert worden.
Es geht um die Werbung für diesen Kleinwagen: Ein junger Mann fährt allein in seinem Kleinwagen auf einen Hügel, parkt und verwickelt sich dann in einen Flirt mit sich selbst, bei dem er abwechselnd die Rolle des Mannes und der Frau einnimmt.
Sie (Er): "Neues Auto?"
Er (Er): (großmännisch zustimmend) "mmmh."
Sie (Er): (Blume in der Hand haltend) Steigt ein.
Er (Er): "Und was machen wir jetzt?"
Er (er): Legt die Rückbank um.
Und just, als er gerade die Rückbank umlegt, tritt hinter ihm eine groß wirkende Frau ins Bild, stubst ihm mit dem Schuh am Hintern und fragt "Zum Shoppen?". Der junge Mann scheint eingeschüchtert zu sein.
Dann ist der Spot zuende und ich sitze auf der Kommando-Couch und kratze mir den Schopf.
Was will uns diese Werbung sagen?
Die Interpretationsmöglichkeiten sind breit gefächert.
Der junge Mann wünscht sich offensichtlich eine Freundin. Hat er aber nicht. Stattdessen hat er ein neues Auto. Auch gut. Reale Personen scheint er damit aber nicht beeindrucken zu können. Also beeindruckt er sich selbst indem er neckige Rollenspiele in der Einsamkeit durchführt. Er selbst ist von sich schwer beeindruckt. Alles andere würde auch Anlass zur Sorge geben. Offensichtlich ist er darauf aus, schnelle Bekanntschaften sofort flach zu legen. Warum legt er sonst die Rückbank um, kommt unumwunden gleich zur Sache? Kurz, bevor er den Beischlaf mit sich selbst vollziehen kann, taucht diese Frau auf. Sie liegt alterklassenmäßtig geschätzt etwas über unserem Protagonisten, der eher auf blümchenschnuppernde Rückbankhasis zu stehen scheint.
Auch ihr Tritt in seine Vierbuchstaben scheint nicht ganz in seine Welt zu passen. Er ist eher der Typ, der mit dem Kleinwagen vorfährt, vorkommt und vorsiegt. Entsprechend irritiert ist er ja dann auch, als sie ihn fragt, ob er "zum Shoppen" will.
Der Film lässt Raum für so viel Spekulation offen, dass er mir gar nicht aus dem Kopf will.
In welchem Verhältnis stehen der junge Mann und die Frau zueinander? Ist sie seine Mutter? Ist sie vielleicht eine Räuberin, die auf junge Männer lauert, die auf den Hügel kommen, um sich "weiss Gott was" einzubilden? Existiert sie vielleicht nur in der Einbildung des Jungen und symbolisiert das emotionale Erwachsenwerden einen jungen Mannes? Ein Erwachsenwerden, für das der Kleinwagen als Katalysator gewirkt hat, ja, das ohne den Wagen gar nicht möglich gewesen wäre?
Ich weiss es wirklich nicht. Ich verstehe es eben einfach nicht.
Ich verstehe auch nicht, warum auf den Fußball für die WM lauter Damenbinden aufgedruckt sind. Geht es um darum, die Identifikation der Frauen mit dem Fußball zu fördern oder hat da ein Sponsor die Finger im Spiel?
Verwirrt,
bna

Posted by banana at 06:45 EM | Comments (14)
Mai 18, 2006
Rote Airtime Fraktion

Na, wer weiss es denn noch? Wer weiss denn noch, wie die Melodie ging, von Sweety, dem ach-so-nervenden Klingeltonpiepmatz.
Keiner weiss es mehr, so ganz spontan. Aber damals haben sich alle drüber aufgeregt. "Tötet Sweety", "Stellt sie alle an die Wand", "Macht schlimme Dinge mit ihnen, bis es ihnen leid tut" und so weiter.
Und jetzt? Jetzt kann sich keine Sau mehr an die Melodie erinnern. Man weiss nur noch, dass da ein kleiner, niedlicher gelber Vogel auf dem Schirm war.
Aber ich weiss was. Es arbeitet jetzt nämlich in euren Köpfen. "Verdammt noch mal" denkt ihr und wollt es gar nicht denken, aber ihr könnt nicht dagegen an. "Verdammt noch mal" denkt ihr "wie ging denn dieses bescheuerte Lied von dem gelben Vogel" denkt ihr "das Sweety-Lied". Euer Verstand kämpft immer noch dagegen an, aber euer Unterbewusstsein ist schon auf die Suche gegangen. Es ist schon unterwegs. Es schnüffelt schon durch die eure Gehirnrohre. Er schiebt den alten Affen Vergesslichkeit schon durch die grauen Flure.
Ihr wollt euch davorstellen, ihn aufhalten und sagen "nein, das ist keine Vergesslichkeit, das ist ok, das ist versuchtes, aktives Vergessen" aber das Unterbewusstsein bemerkt euch nicht, weil ihm der Affe die Augen und die Ohren zuhält und es schiebt und schiebt und schnüffelt und wittert.
Ich bin sicher, euer Unterbewusstsein, der alte Hund, wird irgendwann darauf kommen, aber das könnte natürlich ein paar Stündchen dauern.
Qualvolle Stunden.
Ambivalente Stunden.
Stunden voller Selbstverachtung.
Aber ich bin ja nicht so.
Ich helfe euch da ein bisschen auf die Sprünge:
"I may be small I may be sweet. But baby I know how to move my feet.HIT IT! When I start to hear the beat. I just want to move my feet. It will make you want to tweet. tweet tweet tweet tweet tweet tweet tweet!"
Genau. So in etwa ging es. Schönen Tag noch.

Posted by banana at 07:13 EM | Comments (13)
Mai 16, 2006
We're a third world country

Man kann es den jungen Leuten nicht oft genug sagen: Denkt genau darüber nach, was ihr beruflich machen wollt. Die Entscheidung mag euch in eurem jugendlichen Leichtsinn vielleicht unwichtig erscheinen, aber sie ist es nicht. Ihr müsst nämlich einen großen Teil eures Lebens mit dieser Tätigkeit verbringen. Ihr könnt natürlich auch Kunsthistoriker werden oder sowas, dann habt ihr eine Menge Freizeit.
Sucht euch einen Beruf, der euch interessiert. Wenn euch nichts interessiert, dann sucht euch wenigstens einen Beruf, in dem man gut verdient.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Beruf des gelbe Streifen-Wegbrenners auf Autobahnbaustellen. Dies scheint mir ein hochspezialisierter Expertenberuf zu sein. Im ganzen Rhein-Main Gebiet scheint es nur zwei Personen zu geben, die in der Lage sind, die gelben Streifen von Autobahnbaustellen zu entfernen, wenn die Baustellen abgebaut werden.
Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich heute morgen fast zwei Stunden im Stau stand, weil auf der Baustelle lediglich zwei einsame Leute die Streifen entfernt haben.
Ach so, angenehme Arbeitszeiten hat man in dem Beruf natürlich auch, ungefähr immer dann, wenn gerade Berufsverkehr ist.
Die Arbeit geht einem auch nicht aus. Die Baustelle heute morgen war zum Beispiel ungefähr fünf Kilometer lang. Da kann man schon eine Weile vor sich hinbrennen. Rauchen bei der Arbeit darf man auch. Also - wenn das kein guter Tipp ist. Aber nicht zu Hause in der Wohnung schonmal üben und irgendwas wegbrennen, denn das gibt Mecker.
Heute: Die Allee klärt auf. Was ist eigentlich ein Blutsturz? Ein Blutsturz ist, wenn man plörtlich aus einer Körperhöhle sehr stark blutet. Das kann zum Tod durch Blutverlust führen. Also, ich habe das nicht gewusst und bin leicht geschockt, weil so ein Blutsturz eine Riesensauerei ist.
Dann war da noch der Bekannte, der von seinem Sohn erzählte:
"Da kam mein Sohn zu mir und hat gesagt, er braucht dringend 10 eur. Ob er denn irgendwas für mich machen könnte oder mir irgendwie helfen könnte. Da habe ich so überlegt und dann habe ich gesagt, er kann ja die Hecke schneiden. Aber ich habe gesagt, er muss sie ordentlich schneiden und er muss auch hinterher die abgeschnittenen Blätter und Äste wegkehren. Da hat er gesagt ja, das macht er. Und dann hat er angefangen zu schneiden und zu schneiden, aber nach einer halben Stunde hat er mir dann leid getan, mit seinem Gips."

Posted by banana at 08:04 EM | Comments (12)
Mai 14, 2006
Easy Medium Hard Harz IV

Am Freitag wollte ich eigentlich das gefrorene Sushi ausprobieren, dass es angeblich in einer bestimmten Supermarktkette geben sollte.
Gab es aber nicht. Ich suche die Tiefkühlregale erfolglos ab, mein Fragen wurde nur mit Achselzucken beantwortet.
Was sollte ich nur tun? Ich war schon angeverzweifelt, doch da fiel mein Blick auf eine Tiefkühlpizza, auf deren Verpackung ein Fußballer aufgedruckt war.
Nun ist ein aufgedruckter Fußballer in diesen Zeiten nichts besonderes, aber dennoch interessierte mich, was ich den diese Firma zum Thema (jetzt weiss ich nicht, was ich schreiben darf und was alles an Begriffen geschützt ist und mich direkt ins Gefängnis schickt (nicht über Los!), wenn ich es schreibe, aber ich denke, ihr wisst, was gemeint ist) hat einfallen lassen, denn vieles, was da zur Zeit verbrochen wird, das ist schon einen Hingucker wert, wenn auch nur zur Bestätigung, dass es total doof ist.
Die Pizza war aber nicht doof, sie war nur außergewöhnlich belegt, nämlich mit Currywurst.

Nun kenne ich Pizza Pasta, Spaghizza, Pizza Gyros, Schnipizza und so weiter, aber eine Pizza mit Currywurst, das war mir neu.
Ich kaufte sie also, denn Sushi gab es ja keines.
Schmeckt erstaunlich gut! Belegt ist das Ding mit Wurstscheiben, Currysoße, Paprika und relativ dicken Käsestreifen.
Ich weiss nicht, ob ich das nochmal kaufen würde, aber es gibt Sachen, die schlimmer schmecken.

Posted by banana at 08:38 EM | Comments (25)
Mai 12, 2006
Nimm mich mit, Klinsitän auf die Reise

Manchmal bekommt man einen sehr dicken Hals, weil man aus dem Kopfschütteln nicht mehr rauskommt. Sowas trainiert die Muskulatur.
(Boris Krassimov, Erfinder der Krassheit)
Ich bin einem Phänomen auf der Spur. Es ist das Phänomen der Häufung seltener Worte (HsW).
Ich hatte zum Beispiel noch nie in meinem Leben den Begriff "Alpha-Tier" gehört. Zack! Kaum las ich ihn einmal in der Zeitung, da kreuzt er plötzlich sehr häufig meine Bahn. Vorher war ich doch auch prima ohne den Begriff ausgekommen. Ich verstehe das nicht.
Jetzt sagt ihr, das sei völlig natürlich, denn "Alpha-Tier" war eine Modebegriff und Modebegriffe haben es nunmal an sich, gehäuft aufzutauchen.
Dann eatet mal this, ihr motherfucker:
Ich bin jetzt schon sehr lange ohne den Begriff "Hiatus" ausgekommen. Und zack! Einmal gelesen, nachgeschlagen und jetzt war ich schon drei Mal mit ihm Konfrontiert. Wenn das keine HsW ist, dann weiss ich auch nicht.
Noch ein Beispiel?
Ok - Das Englische Verb "to genuflect" hatte ich noch nie gehört. Jetzt hat es mir ein Englischer Kollege beigebracht und sagte, dass das eigentlich niemand sage und man stattdessen "to kneel down" sagt und ich schlage die Zeitung auf und was steht da? Bingo Bongo Bango Bungo!
Das ist schon alles sehr merkwürdig und vertrackt. Ich habe ja schon länger die Vermutung, dass ich Subjekt eines Forschungsprojektes bin und dass die Welt um micht herum gar nicht existiert, sondern nur für mich simuliert wird, damit irgendwelche kranken Forscherhirne mein Verhalten studieren können. Das klingt erstmal etwas abartig, aber es sprechen viele Tatsachen dafür, unter anderem auch HsW.
Es ist nämlich so, dass es die Worte früher noch gar nicht gegeben hat! Die hat sie die Projektgruppe erst ausgedacht und dann in die Versuchumgebung (die ich für die wirkliche Welt halte) eingeschleust. Jetzt finden sie ihre Neukreationen so toll, dass sie sie natürlich dauernd benutzen. Würde ich ja auch machen. Aber sie sollten vorsichtiger sein, denn ich durchschaue sie.
And yet, across the gulf of space, minds immeasurably superior to ours regarded this Earth with envious eyes, and slowly, and surely, they drew their plans against us.
Im Winter freut man sich schon ganz schön auf die warme Jahreszeit. Ich habe den Eindruck, dass es von mir Jahr zu Jahr mehr wird. Ich meine die Vorfreude. Da ist man dann ganz wuschiwischig vor lauter Vorfreude. Die Wuschiwischigkeit üverdeckt dann die Erinnerung an die negativen Aspekte des Sommers. Wenn man schlitterschlotterig vor seinem Fernseher bibbert, dann neigt man dazu, den Sommer zu idealisieren.
Dann vergisst man nämlich zum Beispiel die ganzen scheiß Insekten und man vergisst auch, dass die Temperaturen viele Idioten aus dem Hause treiben, die den Winter über schon zu Hause geblieben sind.
Einhalt! Ich will nicht dazu kommen, den Winter zu idealisieren, denn auch der Winter hat drei Nachteile: Weihnachten, Kälte und Dunkelheit.
Ihr habt übrigens großes Glück. Ich habe ein Lied komponiert, dass an Einfältigkeit und Nervigkeit nur schewr zu überbieten ist (der Text geht so: Ich sage immer mugg und muggu heisst nicht tuggu, es heisst ganz einfach muggu, auf wiederseh'n good bye). Musikalisch bewegt sich das Stück auf ähnlich hohem Niveau.
Eigentlich wollte ich das Lied in die Webseite einbauen, so dass es bei jedem Besuch automatisch abgespielt wird, aber irgendwie habe ich das nicht hinbekommen. Und deswegen habt ihr Glück. Ihr wisst gar nicht, wie viel Glück ihr habt!

Posted by banana at 07:51 EM | Comments (18)
Mai 11, 2006
My humps, my humps, my humps

Nachtrag: Ach, jetzt hätte ich es ja fast vergessen! Es gibt neue Fische in der §§a href="http://www.spackonauten.org/adoe/index.html">Allee der Ölsardinen§§/a>. Es sind zwar keine Sardinen, sondern Sardellen, aber wir sind ja gar nicht so. Und ausserdem kommen sie aus dem Ausland. Vielen Dank an §§a href="http://www.gods-country.de">kametyken§§/a>!

Das ist schon sehr komisch, das mit den Titeln für Zeitschriften. Zeitschriften für Männer scheinen da anderen Regeln zu folgen, als Zeitschriften für Frauen. Wobei - gibt es Zeitschriften extra für Männer eigentlich? Spontan fällt mir da nur Men's Health ein. Ok, Playboy, Penthouse und wie sie alle heissen dürften sich auch eher an ein männliches Klientel wenden. Sie werden ja fast ausschließlich wegen der tollen Interviews gelesen.
Men's Health heisst allerdings Men's Health und nicht Mann im Spiegel, Mann im Fitness-Studio oder vielleicht Manfred. So würden sie heissen, wenn man die Regeln für Frauenzeitschriften auf die Männerzeitschriften übertragen würde.
50 Übungen zum Waschbrettbauch bekommt - jetzt in der neuen Horst.
18 Tips, wie man Fleisch auch Grillen kann - jetzt in der neuen Mann am Grill.
Die besten Fotos der Pussy Cat Dolls, jetzt im neuen Leon-Luca
Und so weiter.
Woher aber kommt es, dass Zeitschriften für Männer "Das Waffenmagazin" oder "Modelleisenbahn" heissen, Frauenzeitschriften aber "Brigitte" oder "Karina"?
Ich denke, dass das mit der jahrzehntelangen Unterdrückung der Frau zusammenhängt. Lange war die Frau dazu verbannt, sich auschließlich um den Haushalt zu kümmern und die Kinder zu versorgen. Eigene Interessen hatte sie nicht zu haben, denn schließlich lebten sie ja auf Kosten des Mannes. Frauen hatten keine Zeit, eigene Interessen zu entwickeln. Männer dagegen brachten das Geld mit nach Hause. Sie finanzierten den ganzen Haushalt und hatten deswegen ein Recht auf Freizeit, ein Recht darauf, im Hobbykeller zu verschwinden und neue Berge auf der Märklin-Anlage zu modellieren. Da musste natürlich auch eine passende Zeitschrift her, denn irgendwas muss man ja lesen, wenn man nachts im Bett liegt und die Bücher wieder so dick sind.
Vielleicht liegt es auch daran, dass das Interessensspektrum des Mannes so viel schmaler ist, als das der Frau. Während ein Mann sich nur auf ein Thema konzentrieren kann (die Modelleisenbahn, der Grill, das Auto), ist das bei Frauen anders - sie müssen sich - genetisch bedingt - auf viele Dinge gleichzeitig konzentrieren und haben deswegen gar kein Interesse daran, sich auf ein Thema zu beschränken. Folgich macht es auch keinen Sinn, für Frauen eine Zeitschrift zum Thema Putzen herauszubringen (z.B. Frau beim Putzen). Aus diesem Grund dachte man sich in nächtelangen Sitzungen generellere Namen für Frauenzeitschriften aus und gab dann entnervt auf und griff den Vorschlag der Frau des Vorstandvorsitzenden auf und wählte ihren Vornamen.
Und dass es Kowalsky nicht mehr gibt, das ist wirklich schade.

Posted by banana at 07:10 EM | Comments (9)
Mai 08, 2006
Die Jungfrau verhaut den Menschensohn

Ich weiss nicht, wer genau mir die Frage zum ersten Mal stellte: "Und? War das Christkindchen brav?".
Es war kurz nach Weihnachten und ich war jung und ratlos. Was sollte man auf diese Frage antworten? Diese Frage, gestellt von einer kleinen, faltigen Frau, die nach 4711 roch und mich erwartungsvoll und - wie ich dachte - unangemessen angrinste.
Ich dachte über die Frage nach, aber ich wurde nicht schlau daraus. Sie pralle immer wieder an den Innenwänden meines Gehirnes ab und wollte keine Stelle finden, wo sie sich festhalten konnte. Sie machte einfach keinen Sinn für mich. So vergingen ettliche Sekunden, in denen ich leicht verschämte Kinderposen und die alte Frau ihr übertriebenes Grinsen zu Schau stellten.
Endlich löste meine Mutter die Zwickmühle und sagte "Ja, das Christkindchen war brav, gell, banana". Ich umarmte meine Mutter und drpckte mein Gesicht in ihren Schoß (Variante 12 der verschämten Kinderposen), froh, endlich nicht mehr Hauptziel der grinsenden 4711Aufmerksamkeit zu sein.
Die Frage sputnikte noch lange durch meinen Kopf, vielleicht ein paar Jahre, bis ich sie endlich, gleich einer Motte einfing und einer näheren Betrachtung unterzog.
"War das Christkindchen brav?"
Natürlich konnte ich damals nur vom Standpunkt meiner christlichen Bildung aus werten.
Natürlich war das Christkindchen brav! Wie konnte man das in Frage stellen, fragte ich mich. Das Christkindchen wurde später zu Jesus und Jesus hat die Sünden aller Menschen auf sich genommen und ist für uns gestorben. Jesus riet mir, auch die linke Wange hinzuhalten, wenn mir jemand auf die rechte Wange schlägt. Jesus riet mir, meine Feinde zu lieben. Jesus war privat voll ok. Wie konnte man da fragen, ob das Christkindchen brav war? Ich konnte es nicht verstehen. Ist der Papst katholisch?
Zurück in die Umlaufbahn mit der Frage.
Heute, viele Jahre später, weiss ich, dass die alte Frau lediglich wissen wollte, ob ich angemessen viele Geschenke zu Weihnachten bekommen hatte. Das hätte sie aber auch etwas eindeutiger formulieren können.
Nun fragte ich meine Nichte zu Weihnachten aus purer Boshaftigkeit, ob das Christkindchen denn brav gewesen sei und die Geschichte wiederholte sich. Ich grinste so blöd, wie es ging und die Nichte erging sich in Beschämung. Allerdings roch ich nicht nach 4711.
Letztes Wochenende grinste mich wiederum die Nichte an und fragte mich, ob das Christkindchen brav gewesen ist und ich stellte drei Dinge fest:
Die Nichte hat einen ähnlichen Humor, wie ich. Sie wird es schwer haben.
Man sollte sich zweimal überlegen, was man Kindern erzählt, denn sie haben ein verdammt gutes Gedächtnis, jeder, der schonmal gegen Kinder Memory gespielt hat, der weiss, wovon ich rede.
Sie hat auch nicht kapiert, was diese bescheuerte Frage eigentlich bedeuten soll.

Posted by banana at 09:48 FM | Comments (10)
Mai 04, 2006
Hier stimmt der Preis

"Fit ist schick" steht auf dem Schild, mit dem das Fitness-Studio um neue Mitglieder wirbt.
Ich denke bei mir, dass da doch irgendwas mit dem Reim schief gelaufen ist. Das ist nichtmal ein unsauberer Reim, das ist gar nichts! Im Gedanken gehe ich durch, wie es eigentlich - wollte man korrekt reimen - heissen müsste und muss grinsen.
Zwei Kombinationen gäbe es. Die eine wäre "Fit ist shit", die andere kann sich jeder selbst ausdenken.

Posted by banana at 08:11 EM | Comments (27)
Mai 03, 2006
Ich hau euch allen paar aufs Maul

Schnitzel kann ich jetzt ziemlich lecker zubereiten, auch Steaks kann ich jetzt ziemlich lecker zubereiten. Damit sind schon zwei meiner Wünsche in Erfüllung gegangen. Auf zu neuen Ufern! Jetzt wird Sushi gemacht!
Natürlich nicht so richtig lecker lecker Sushi mit halben rohen Thunfischen drauf, sondern nur die Rollenvarianten, die mit im Einzelhandel erhältlichen Zutaten herzustellen sind.
Ja, ich weiss, die Reisbollen mit Zeug drauf heissen Nigiri und die Rollen heissen Maki, es fehlt mir also durchaus nicht am theoretischen Unterbau.
Ich habe mir also die Zutaten besorgt. Ich glaube, irgendwo lacht sich jemand ziemlich kaputt darüber, dass jemand wie ich 3,50eur für Algenplatten ausgibt. Bei der nächsten Algenpest fahre ich wieder ans Meer und besorge mir einen Vorrat.
Kompliziert ist das schon mit dem Sushi. Das fängt schon beim Reis an. Es muss nämlich spezieller Reis sein, nämlich Klebreis. Ulkig ist das. Ich erinnere mich noch an die Werbefilme meiner Kindheit, wo Uncle Ben persönlich den Gabeltest mit seinem parboiled Reis gemacht hat und ganz besonders Stolz war, dass der Reis nicht klebte. Und jetzt besorge ich mir extra Reis, der ganz besonders klebt. So ändern sich die Zeiten.
Ich habe mir sogar so eine Matte zum Sushi-rollen gekauft. Die heisst Makisu und ich werde das Gefühl nicht los, dass unsere Markisen danach benannt worden sind.
Für die Zubereitung muss zunächst der Reis gewaschen werden und zwar gründlich. Dann muss er gründlich abtropfen. Warum er gründlich abtropfen muss, dass habe ich nicht so richtig verstanden, schließlich kommt er zum Kochen ja auch wieder ins Wasser und da lässt es sich nicht vermeiden, dass er wieder nass wird.
Zum kochen gibt man den Reis in die 1,2524375445632 fache Menge Wasser, also für 100g Reis in 125,24375445632 ml Wasser. Dann kocht man das Ganze sehr kurz auf, lässt es dann 15 Minuten auf kleinster Flamme köcheln, nimmt es dann vom Herd und lässt es nochmal 15 Minuten ziehen.
Jetzt kommt die Würzmischung auf den Reis. Sie besteht bei 100g Reis aus einem Esslöffel Reisessig, einem halben Esslöffel Zucker und einem viertel Esslöffel Salz. Vermischt wird das ganze in einer Plastik- oder Holzschüssel und mit einem Holzlöffel, weil Metal angeblich den Geschmack verändert. Mist! Dachte ich. Jetzt ist alles beim Teufel, denn der Kochtopf war auch aus Metal. Das scheint aber irgendwie egal zu sein.
Damit der Reis so richtig schön klebt, muss er möglichst schnell abkühlen. Ich stand also in meiner Küche und fechelte dem Reis kühle Luft zu. Wer will hier eigentlich wen essen?
Als er kalt war, klebte der Reis aber tatsächlich erstaunlich gut. Am liebsten an meinen Fingern.
Ich teilte also eines meiner Algenblätter in zwei Hälften und bepappte es mit Reis. Sehr hilfreich ist es dabei übrigens, wenn man die Hände vorher anfeuchtet, denn dann klebt der Reis nicht so an den Fingern. Auf den Reis kam dann etwas Wasabi, dann die Füllung, in meinem Fall Räucherlachs und Gurke mit Surimi.
Das Rollen war auch nicht ganz so einfach, denn man muss dafür sorgen, dass die Füllung tatsächlich in der Mitte der Rolle landet. Und das ist gar nicht so einfach.
Auch hatte ich den Reis wohl etwas zu dick auf die Algen geschmiert, denn mit ging am Ende die Alge aus. Sie muss den Reis eigentlich komplett umschließen, aber bei mir klaffte am Ende eine Lücke.
Das Zerteilen der langen Rolle in kleine Röllchen ist auch nicht ganz einfach. Man braucht ein sehr scharfes Messer, sonst ist die ganze Rollerei für die Füße gewesen. Auch hier hilft es, wenn man die Klinge des Messers vor dem Schneiden anfeuchtet.
Geschmeckt hat es aber ganz hervorragend und sogar richtig nach Sushi. Räucherlachs ist geschmacklich leider nicht autentisch, denn er schmeckt zu salzig. Ich schaue mal, ob ich da noch eine Alternative finden kann.

Schön zu sehen: Die Alge ging mir aus und die Füllung ist nicht ganz in der Mitte. Ich glaube, es war auch zu viel Wasabi, denn die gelblichen Wasabi-Spuren im Reis sehen nicht so lecker aus. Ausserdem hätte ich eigentlich die Gurke noch kurz in kochendes und dann in eiskaltes Wasser tauchen sollen, damit sie noch grüner wird, aber das habe ich mir gespart.
Ach ja, beim Kauf der Soja-Soße darauf achten, dass es keine Chinesische, sondern Japanische ist. Die Chinesische passt geschmacklich nicht so gut.

Posted by banana at 07:01 EM | Comments (34)
Mai 02, 2006
Die Welt reisst von der Leine

Wenn man dunklen Gedanken nicht nachhängen soll, wäre es dann besser, hellen Gedanken vorzuhängen? Das ginge natürlich nur, wenn kein Vorhängeschloss dran ist. Der Trick ist also, das Vorhängeschloss der hellen Gedanken zu öffenen und dann zu hängen. Ein anderer Trick könnte darin bestehen, dass man den dunklen Gedanken ein Nachhängeschloss verpasst, aber das ist noch nicht erfunden.
Helle Gedanken, dunkle Gedanken - ich kenne nur helle und dunkle Sojasoße. Wobei - manche sagen auch hellere Sojasoße, denn hell ist die helle Sojasoße nicht wirklich. Sie sieht erstmal genau so braun aus, wie die dunkle Sojasoße. Wenn man sie gegen das Licht hält, dann sieht man den Unterschied. Bei Licht betrachtet - wobei wir wieder beiden Gedanken sind.
Im Gegensatz zu Sojasoße haben Gedanken in Wirklichkeit gar keine Farbe. Bei Träumen fragt man sich, ob man schwarz-weiss oder farbig träumt. Es geht da also um Grunsätzliches. Wobei hell und dunkel kann natürlich genau so grundsätzlich sein, wie farbig und schwarz-weiss. Fragen sie mal einen schwarzen Spanner, der auf einer Birke sitzt.
Meine Oma weigerte sich stets, sich einen Farbfernseher zu kaufen. Der Grund ist mir jetzt entfallen. Ich weiss nur noch, wie schwer es war, Ende der 80er Jahre noch einen fabrikneuen schwarz-weiss Fernseher aufzutreiben. Naja, eigentlich hätte man sie auch verarschen können. Man hätte einen Farbfernseher kaufen können und permanent die Farbe rausdrehen können. Aber irgendwie wäre das nicht das selbe gewesen. Es wäre gegen die Idee gewesen, die grundätzlich eigentlich sehr schön ist. Schwarz-weisse Bilder sind weniger real, als bunte Bilder. Somit wahrt man etwas Distanz zu dem, was über die Mattscheibe flimmert. Wobei schwarz-weiss Sehen und Distanz wiederum ziemlich wenig miteinander zu tun haben. Ach, ist das wieder schwierig.
Allerdings war die Oma selbst nicht konsequent, denn die Hochzeit von Prinz Charles und Lady Di, die hat sie sich dann bei ihrem Sohn in Farbe angeschaut. Dabei war das Kleid von der Diana nichtmal sonderlich bunt.
Geholfen hat es auch nichts. Die Ehe war zerrüttet, Lady Di ist tot. Die Di und der Dodi, das dödliche Drama (Fünf Serne Deluxe).
Nun denkt man in der Regel, schwarz-weiss sei das Gegenteil von farbig und dunkel sei das gegenteil von hell. Das ist natürlich kompletter Blödsinn. Man braucht sich nur die Sojasoße anzuschauen. Ist etwa dunkle Sojasoße das Gegenteil von heller Sojasoße? Das ist doch absurd! Wie kann eine Soße das Gegenteil einer anderen Soße sein? Das geht doch nicht! Es sind nur Varianten des gleichen Konzeptes.
Tatsächlich ist die dunkle Sojasoße ziemlich identisch mit der hellen Sojasoße. Sie reift nur länger und enthält zusätzlich Melasse. Das macht sie kräftiger uns süßer.
Dunkle Gedanken sind keine alten hellen Gedanken mit Melasse. Naja, manchmal schon. Natürlich ohne die Melasse. Aber mich würde es auch nicht wundern, wenn sie Melasse an die Gedanken geben würden. Heutzutage bei der ganzen Gentechnik und so und Bärlauch machen sie ja auch überall dran. Aber das ist ein anderes Thema. Das hatten wir ja schon.

Posted by banana at 08:00 EM | Comments (5)
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