März 31, 2006
Man soll aus seinem Herzen keine Magengrube machen

Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft. Ich denke, meine Interessen werden im Kabinett nicht ausreichend vertreten, weil es kein Ministeriumt gibt, das für mich zuständig ist.
Das fiel mir auf, als ich dabei war, die Namen der Minister auswendig zu lernen.
Ursula von der Leyen ist die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Amt deckt eigentlich alles ab, ausser ledigen, mittelalten Männern.
Und was bin ich? Genau.
Ich glaube, ich habe ein Problem. Ich fordere, das Ministerium zu erweitern und zwar auf Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen, Jugend und mittelalte, ledige Männer.
Das wird ja wohl drin sein, ich fühle mich nämlich so leicht andiskreminiert. Auch ledige, mittelalte Männer haben Gefühle, Hoffnungen und Ängste. Man denkt immer "ja, ledige, mittelalte Männer, das ist doch der Mensch in seiner robustesten Darreichungsform", aber das stimmt nicht immer. Manchmal fühle auch ich mich ganz schwach und klein und dann ist keine Ministerin da, die mir den Rücken stärkt, meine Interessen vertritt oder mich vielleicht einfach nur in den Arm nimmt.
Das ist hart.
Ich fühle mich verlassen.
Ich fühle mich einsam.
Zum Arbeitsminister will ich nicht.
Nur, weil wir so breite, starke Schultern haben, heisst das noch lange nicht, dass diese Schultern nicht auch einmal brechen können, wenn sie zu stark belastet werden, wenn die Last der Sorgen zu groß geworden ist. Und dann ist es zu spät, dann hilft es auch nichts mehr, eilig ein neues Ministerium einzuführen. Dann ist das Kind in den Brunnen gefallen.
Dabei sollte die Gesellschaft wirklich wissen, was sie an uns hat, an den ledigen, mittelalten Männern.
Wir sind nämlich sehr aufgeschlossen und konsumfreudig. Das müssen wir auch sein, denn so ein Leben ist teuer. Alleine, was man so für falsche Freunde ausgibt, für Puffbesuche, Alkohol, beeindruckende Autos, Kartoffelchips. Gar nicht erwähnt habe ich, wie viel Lebensmittel man wegschmeisst, weil es das ganze Zeug nur in Krankenhausmengen gibt.
Das ist wirklich nicht einfach.
Dann ist mir noch was Lustiges eingefallen, als ich an meine Kindheit gedacht habe. Ich habe den Text von "No Milk Today" immer falsch verstanden. Der Mann (ich vermute, es ist Herman) singt "The end of all my hopes, the end of all my dreams" und ich habe verstanden "The Änderung of hopes, the Änderung of dream".
Ist das nicht total crazy? Voll far out!

Posted by banana at 06:27 EM | Comments (23)
März 29, 2006
Twenty four little hours

Ein neuer Award! Diesmal von §§a href="http://www.0509.org/blog">Andreas§§/a>! Es ist der einzigartige Bierdeckel. Vielen dank dafür, hat mich sehr gefreut, vor allem, weil ich der beste vorlesende Hesse in Bayern bin!

Ich ging aus dem Haus, um frisches Mopper zu besorgen. Ich lief sie entlang, die Straßen der Sehnsucht, die voller Fragen waren. Ich wollte sie liegen lassen, die Fragen, aber es ging nicht. Sie sprangen mich an, von allen Seiten, liefen mir hinterher und obwohl ich meinen Schritt beschleunigte, konnte ich den Abstand zu ihnen nicht vergrößern.
Müde gelaufen blieb ich stehen und da waren sie - so unmittelbar, wie ich es befürchtet hatte. Genau so heiss und schartig, wie vor sieben Jahren.
Ich hatte mich keinen Schritt von der Stelle bewegt, war nicht vorangekommen, trotz meiner Bemühungen, meiner Anstrengung. Die Versuche, mich weiterzubewegen, die mir so heldenhaft vorgekommen waren, waren nichts weiter, als eine armselige Kreisbahn und jetzt - da ich vor der gleichen Wand stand, vor der ich auch schon vor sieben Jahren gestanden hatte, wurde mir das alles auf einen Schlag klar. Der Schlag trag mich aus heiterem Himmel. Mir schwindelte.
Ich habe mich ausgezogen, eingeseift und geschrubbt, bis meine Haut ganz dünn war. Ich habe mir neue Kleider gekauft und die alten den Pennern gegeben.Ich habe mir eine neue Wohnung genommen und ich habe meinen Namen gewechselt.
Und jetzt stand ich da, in der dunklen Seitengasse und ich wusste auf einmal, dass es nichts gebracht hatte, dass ich immer noch der Alte war. In neuen Kleidern, in einer neuen Wohnung, mit einem neuen Namen, aber immer noch der Alte.
Und ich war immer noch verrückt nach frischem Mopper.
Wenn man moppersüchtig ist, dann ist das nicht so, als wenn man heroin- oder kokainsüchtig ist. Die Sucht ist nicht so laut. Sie weckt dich nicht in der Nacht, sie schreit dich nicht den ganzen Tag an und räumt nicht alle anderen Gedanken aus deinem Kopf. Es ist eher so, wie wenn man um drei Uhr Lust auf eine Tasse Tee hat.
Aber es ist immer drei Uhr.
Es war viertel nach Neun. Ich hatte Lust auf frisches Mopper.
Es war nicht mehr so leicht zu bekommen, das orangefarbene Zeug, das leicht nach Kakao riecht und mit dir die Tarantella tanz.
Früher, vor sieben Jahren, da bekam man das Zeug an jeder Ecke. Gutes Zeug, reines Zeug, zu Preisen, von denen wir heute so weit entfernt waren, wie Las Vegas von Scharbeutz. Damals grinste man sich noch gegenseitig blöd an, wenn man sich auf der Straße über den Weg lief mit dem orangenen Bärtchen unter der Nase.
Die Zeiten waren vorbei.
Moden kommen und Moden gehen. Wenn du dir ein Bild von dir nimmst, dass vielleicht fünfzehn Jahre alt ist und du dich darauf anschaust, dann fragst du dich, welcher Teufel dich geritten hat, diese beschissenen Klamotten anzuziehen. So ist das mit allem. Auch mit den Drogen. Kein Mensch nimmt heute noch LSD, Speed hat ein Image-Problem, der Haschstern ist dabei zu versinken und niemand, der etwas auf sich hielt, nimmt heute noch Mopper. Mopper ist der Hackfleischigel unter den Drogen.
Ich kam an die Stelle, an der Zemsky immer gestanden hatte und sein Zeug angeboten hat, sich seine eigenen Nasen zu verdienen. Er stand nicht da. Wieder Pech. Schon wieder. Hastig suchten meine Gedanken die Orte ab, an denen noch etwas zu bekommen war. Ich hatte sie fast alle schon besucht und war enttäuscht worden.
Jetzt konnte mir nur noch Mama Pott helfen. Sie war meine letzte Hoffnung. Der letzte Ort in dieser gottverdammten Stadt, an dem es vielleicht noch frisches Mopper gab.
Ich winkte ein Taxi heran. Die Sitze stanken nach Kotze, der Typ nach Schweiss und Hustenbonbons. Trotzdem ließ er micht nicht rauchen. Vor sieben Jahren hätte ich ihm noch den Hals umgedreht, aber ich schleppte zu viel von dem orangefarbenen Zeug in meinen Knochen mit mir rum. Sieben Jahre sind eine lange Zeit und sie fordern irgendwann ihren Tribut.
Mama Potts Kiosk war noch genau so hässlich und verdreckt, wie er immer schon gewesen war. Wahrscheinlich hatte ihn irgendein Dinosaurier ausgeschissen und seit dem war hier nicht mehr sauber gemacht worden.
Ich zog die Tür auf und musste würgen, als mir eine Wolke entgegenströmte, die nach ungewaschenen Menschen roch. Ja, da auch.
Mama Pott stand am Tresen. Eine Zigarette im Mundwinkel und eine Flasche Bier vor sich.
"Roter" sagte sie "lange nicht gesehen."
"Ja." sagte ich "eine lange Zeit".
"Du willst doch was. Einfach so kommst du hier nicht vorbei." sagte sie misstrauisch.
"Ich will hier nicht lange rumlabern." sagte ich. Hier drin würde ich es nicht mehr sehr lange aushalten. "Ich brauche Mopper."
"Aha." sagte Mama Pott und blies mir Rauch ins Gesicht.
"Hast du welches?" fragte ich und versuchte, mir die Aufregung nicht anmerken zu lassen.
Sie kratzte sich unter dem Arm. Die Hand mit der Kippe streckte sie dabei in die Höhe. Ich konnte sehen, dass ihre vielen Ringe tief in das Fleisch ihrer Wurstfinger schnitten. Sie schwitzte.
"Möglich" sagte sie ruhig.
"Wie? Möglich? Ja oder nein."
"Ja." sagte sie "ist aber nicht frisch. Hättest vor sieben Jahren kommen sollen."
"Damn!" sagte ich und ging.

Posted by banana at 12:42 EM | Comments (11)
März 28, 2006
ihopenoonefindsout

Gestern erschrak ich vor dem Fernsehapparillo! Es lief eine Werbung für Schokohasen. Ein kleines Mädchen kam in die Schokowerkstadt und fragte den Schokokoch, wo denn all die Schokohasen seien. Der Schokokoch antwortete, sie übten Verstecken für Ostern. Da war das Mädchen traurig, denn es konnte die Schokohasen nicht finden.
Nur ein Schokohase hatte sich nicht versteckt. Er blickte das Mädchen aus seinen Schokohasenaugen an und drehte stumm sein kaltes Näschen in die Richtung eines kleinen Glöckchens. Das kleine Mädchen begriff: Es nahm das Glöckchen in die Hand und klingelte damit. Einer nach dem anderen kamen die Schokohasen aus ihren Verstecken.
Ich war bestürzt! Es weiss doch jedes Kind, was mit Schokohasen angestellt wird!
Was hatte diesen einen Schokohasen dazu gebracht, seine Artgenossen zu verraten? Bekam er Geld dafür? Würde er vor dem grausamen Tod bewahrt? Würde er nicht erst gehäutet, dann in Stücke gerissen und dann aufgefressen werden? Ich weiss es nicht.
Verstört wechselte ich den Kanal.

Man sagt immer, Röhrenradios hätten ein warmen Klang. Gitarristen spielen gerne über Röhrenverstärker, des warmen Klanges wegen. Ich kann damit nicht besonders viel anfangen. Ich weiss nicht, wann ein Klang warm ist und wann ein Klang kalt ist. Wenn ich an warm klingende Röhrenradios denke, dann denke ich an das Wohnzimmer der drei-Zimmer Sozialwohnung, in der ich aufgewachsen bin.
Eigentlich ist das bescheuert, dann das Radio, das in diesem Wohnzimmer stand, war gar kein Röhrenradio. Es war nur ein Transistorradio, das noch nichts von Miniaturisierung gehört hatte.
Denke ich an dieses Radio, dann fallen mir sofort drei Dinge ein: Das Magische Auge, die Beschriftung des Bandes und Nadeln.
Ein Magisches Auge wird auch Abstimmanzeigeröhre genannt. Es ist eine Elektronenröhre, die anzeigt, wie gut die Sender im Radio eingestellt sind. Das Magische Auge war ein schwach grünlich leuchtender Strich, so wie das zusammengekniffene Auge eines Monsters aus der Sesamstrasse. Je besser der Sender eingestellt war und je besser das Signal reinkam, desto mehr verengte sich die Pupille. Ich verbrachte Stunden damit, den dunklen Strich des Magischen Auges breiter und wieder schmaler werden zu lassen. Ganz zum Leidwesen meiner Eltern, die das von Musik durchwaberte Rauschen nur über einen kurzen Zeitraum hinweg auzuhalten gewillt waren.
Das Radio besaß eine Skala aus bedrucktem Glas. Hinter dem Glas lief ein senkrechter roter Plastikstrich und zeigte an, auf welches Band das Radio gerade eingestellt war. Die Sendernamen waren auf das Glas gedruckt und zwar an den Stellen, an denen sie bestimmt einmal zu empfangen gewesen waren. Schon als Kind fragte ich mich, wie lange die Bedruckung denn wohl aktuell gewesen ist. Es ertönte auf jeden Fall nie der angekündigte Sender, wenn ich den roten Strich an die entsprechende Stelle gedreht hatte.
Die Vorderseite des Radios war mit cremefarbenem Stoff bespannt. In dem Stoff steckten einige Stecknadeln und zwar so, dass die Nadel zwischen Stoff und Holzfront entlanglief und so flach auf dem Gerät auflag.
Warum die Nadeln dort steckten, das weiss ich heute nicht. Damals war mir aber ganz klar, warum die Nadeln dort steckten, nämlich, im sie in das Radio zu stecken und es gab nur eine einzige Stelle an dem Radio, in das man Nadeln stecken konnte.
Fast überall lag der Stoff direkt auf dem Holz auf. Da machte das Zustechen nicht viel Sinn, aber ich hatte den Stoff abgetastet und war bald auf eine ovale Stelle gestoßen, in der der Stoff nachgab.
Ich nahm eine Nadel und setzte sie - Spitze zuforderst - orthogonal auf den Stoff auf. Dann schickte ich die Nadel langsam auf Entdeckungsreise ins innere des Gerätes.
Den Stoff durchdrang die Nadel völlig Problemlos, auch danach war für einige Zeit kein Widerstand zu spüren. Erst, als ich die Nadel fast vollständig in den Stoff geschoben hatte, traf sie auf ein Hindernis.
Ungewöhnlich laut traf sie auf. Es war ein bassreiches Kratzgeräusch. Ich wackelte etwas an der Nadel und wieder war das Kratzgeräusch zu hören, nicht unähnlich dem Geräusch, dass eine Nadel macht, die über eine Schallplatte rutscht.
Das Hindernis war nicht ganz fest. Ich konnte die Nadel etwas weiter in das Gerät stecken und es gab nach. Allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt, dann stand es fest. Ich drückte die Nadel jedoch über den Druckpunkt hinaus in das innere des Radios und da gab es wieder ein Geräusch, auch lauter, als ich es erwartet hätte. Es war ein kurzes, tiefes, sehr trockenes Knacken. Gleichzeitig, so als hätte die Nadel das Hindernis überwunden, rutschte sie bis zum Nadelkopf in den Stoff.
Das war faszinierend! Mit einer kleinen Nadel konnte ich derart laute und tiefe Geräusche machen. Ich zog die Nadel wieder heraus, steckte sie wieder hinein, überwand den Druckpunkt und genoß das Geräusch.
Dieses Spiel wiederholte ich in der nächsten Zeit ettliche Male, allerdings nur, wenn ausser mir niemand zu Hause war, denn ich hatte das Gefühl, dass die anderen nicht so fasziniert von dem Geräusch waren, wie ich.
Den Klang des Radios hat die Perforation des Lautsprechers nicht beeinträchtigt, das glaube ich zumindest. Irgendwann verschwand das Radio und machte eine Stereoanlage Platz. Somit waren meine Sticheleien beendet.

Posted by banana at 08:01 EM | Comments (0)
März 27, 2006
Feierabend ist der schönste Abend

Da habe ich großartig einen Bericht über die Lesung vom Freitag in München angekündigt und jetzt weiss ich gar nicht so recht, was ich schreiben soll.
Vorgetragen habe ich folgende Machwerke:
§§a href="http://www.spackonauten.org/aktuell/archiv/2005_07.html#001455">Keine O-Schiffchen§§/a>
§§a href="http://www.spackonauten.org/aktuell/archiv/2006_01.html#001580">My presence dominates the judgements made on me§§/a>
und (als Zugabe)
§§a href="http://www.spackonauten.org/aktuell/archiv/2005_11.html#001537">Traube Holunder§§/a>
Darüber hinaus habe ich zusammen mit Oweh, der den Bass gezupft hat noch die singende und saxophonierende Frau Klugscheisser auf der Wandergitarre begleitet.
Lustig war es, nette Leute habe ich getroffen und kennengelernt und habe den süßen Nektar Applauses gekostet. Natürlich bin ich Applaus aus meiner Zeit als Echtzeit-Chirurg und Wunderheiler in deutschen Fußgängerzonen gewohnt, aber es war eben schon eine Weile her.
Das Dumme bei mir ist, dass ich anfange zu zittern, wenn ich aufgeregt bin und zwar so, wie etwas, was stark zittert, also kein Zitteraal oder eine Zither, sonder eher wie ein Parkinsonpatient auf Fast Forward.
Ich hatte mich schon halb durch meinen ersten Vortrag gezittert, wobei ich mich schon einen halben Meter vom Mikrofon weggezittert hatte, als es langsam besser wurde.
Das Gute bei mir ist, dass sich meine Aufregung auf das Zittern beschränkt. Mein Verstand bleibt klar und kühl wie ein Bergsee im Sonnenaufgang und scharf und spitz, wie ein Sarazenenschwert bei Sonnenuntergang.
Während meines Vortrages wurde gelacht und ich habe Grund zu der Annahmne, dass ich nicht ausgelacht wurde. Nach meinem Vortrag wurde in die Hände geklatscht, ich habe also Grund zu der Annahme, dass es den Zuhörern gefallen hat.
Der Betrag mit dem Titel My presence dominates the judgements made on me (was im Übrigen eine abgewandelte Liedzeile aus dem Lied Never is a Promise von Fiona Apple ist und eine Huldigung an meine verstorbene Oma ist, die über mich stets sagte "Dem kann man einfach nicht böse sein", womit sie natürlich völlig Recht hatte) ist der Audiobetrag, an den sich vielleicht einige erinnern, weil ich in dem Beitrag beschreibe, wie mir mein Punktierter Schilderwels, beziehungsweise mein Scheibenlutscher gefreckt ist.
Schön öfters hielt ich mich im nichthessischen Ausland auf und musste dort schmerzlich erfahren, dass es diverse Grundnahrungsmittel, wie Rindswurst und Apfelwein dort nicht gibt. Dieser Erfahrung habe ich es zu verdanken, dass ich wohlwissentlich eine Flasche Apfelwein (tut mir leid, mc dem, es war Possmann) und ein Geripptes mit in die bayrische Landeshauptstadt gebracht hatte.
Ich wollte nämlich meine Geschichte vom Schilderwels in hessischem Dialekt vortragen, damit die Münchner auch mal den Duft der großen, weiten Welt schnuppern können. Ausserdem fühlte ich mich berufen, mein Bundesland im Rahmen des hessisch-bayrischen Kulturaustauschprogrammes zu vertreten.
Das Ambiente war allerding gänzlich unhessisch, was es mir wirklich schwer machte, die hessentypische Entspanntheit an den Tag zu legen, die absolut notwendig ist, um unsere Sprache sauber zu intonieren.
Manche Menschen denken, wir Hessen seien dröge. Das stimmt aber nicht. Wir sind nur einfach so entspannt, dass wir das wahre Wesen der Dinge und der Situationen erkennen und uns entsprechend verhalten (ok, Roland Koch mal ausgenommen). Wo andere in blinden Aktionissmus verfallen, da bleiben wir entspannt und handeln stets angemessen. Andere denken "Mistikack! Da kommt ein Ninja auf mich zu, der will mich kalt machen! Was mache ich denn jetzt nur, verdammter Mist!" wir denken "Ach, der Ninja ist ja noch zwei Meter weg, da habe ich noch genug Zeit, um einen Schluck Apfelwein zu trinken".
Genau das tat ich auch. Ich nahm einen Schluck Apfelwein (Zaubertrank) auf der Bühne und siehe da - sofort war die Entspanntheit da, der Mund war locker und geschmeidig und fähig, weiche Worte, wie "Scheibenlutscher" korrekt auszusprechen.
Auch beim Scheibenlutscher wurde gelacht und hinterher in die Hände geklatscht.
Im meinem letzten Beitrag ging es darum, wie ich mir mal die Hand wehgetan habe.
Wow, wow, wow. Seine Sachen vorzutragen und dafür Gelächter und Applaus zu ernten, das ist ein sehr schönes Gefühl. So richtig wird das einem erst am nächsten Tag klar. Mache ich gerne wieder. Das mit dem Zittern ist blöd, aber es verbraucht angeblich Kalorien.
Die Mitlesenden [§§a href="http://www.myblog.de/klugscheisser">1§§/a>][§§a href="http://www.vorspeisenplatte.de">2§§/a>][§§a href="http://www.martinakink.com/">3§§/a>][§§a href="http://rebellmarkt.blogger.de">4§§/a>] und -spielenden [§§a href="http://www.schwarz-weisse.de/">1§§/a>] waren großartig, das Publikum war wohlwollend und ich habe ein paar Leute persönlich kennengelernt, die ich schon eine ganze Weile mal kennenlernen wollte.
Mehr sage ich aber nicht dazu.
Doch, noch eins - das war total lustig. Der Don Alphonso hat seine ausgedruckten Texte aus Versehen auf eine brennende Kerze gelegt. Sie fingen auch prompt Feuer. Das war der Grund dafür, warum es von Don keine Zugabe gab.

Posted by banana at 07:05 EM | Comments (16)
März 23, 2006
There is Fleisch on the windscreen

Uff, bei Frauen sieht ein Hosenanzug, kombiniert mit hohen Stiefeln, in die die Hose gesteckt wird, recht unvorteilhaft aus. Ich fühlte mich eben in den kalten Krieg zurückversetzt und hatte Angst, die Russen wären da.
Im Büro vertreiben wir uns die Zeit mit Arbeit. Wenn wir mal grade nicht arbeiten, vertreiben wir uns die Zeit damit, uns gegenseitig als "asozial" zu beschimpfen.
Wir sagen Dinge, wie "Wer a sagt, muss auch sozial sagen" oder wir singen
"Asozial, du bist so asozial
das ist nicht mehr normal
du bist so assig, so unglaublich assig,
so durch und durch ..."
auf die Melodie von "Ti amo".
Das ist eigentlich gar nicht lustig.
Auch nicht lustig ist es, wenn man sich alte Liedtexte durchliest, die man als Jugendlicher geschrieben hat. Ich habe das getan. Ich habe Liedtexte für eine Band geschrieben. Ich war ein junger Mann. Ich hatte etwas zu sagen. Heute sehe ich mich vor mir stehen. Ich sehe einen jungen Mann vor mir stehen und ich möchte diesem jungen Mann etwas zurufen. Ich möchte ihm zurufen "Halt's Maul, du Vollidiot".
So, nicht vergessen, morgen, also am Freitag, findet in München die §§a href="http://www.spackonauten.org/aktuell/archiv/2006_03.html#001603">zweite Bayrische Bloglesung§§/a> statt. Und ich bin mit dabei. Ich habe schon "Grüß Gott" zu sagen geübt.

Posted by banana at 08:20 EM | Comments (34)
März 21, 2006
Augen auf beim Amoklauf

Bademeister lügen!
Am Anfang meines Lebens, als mein Top Priotity Item darin bestand, die richtigen Teile in der Legokiste zu finden und mein größter Sorgenbereiter ein großer roter Staubsauger mit meiner Mutter dran war, der in der Lage war, innerhalb von Sekundenbruchteilen Legoteile jeder Größe aufzulecken, da konnte ich noch nicht schwimmen.
Die Tatsache, dass ich nicht schwimmen konnte, beunruhigte mich nicht im Leisesten so sehr, wie der Staubsauger, denn wir wohnten hunderte von Kilometern entfernt von schiffbaren Gewässern und so erwischte mich die Ankündigung meiner Mutter, ich werde demnächst schwimmen lernen, ziemlich unvorbereitet und überraschend und ließ mich wundern. Ich kam sozusagen zur Badehose, wie die Jungfrau zum Kind.
Obwohl die Legosteine einen großen Teil meiner Welt einnahmen, mein Hoffen, mein Fürchten und mein Planen in die rechtwinklige Formensprache sortierten, so achtete ich doch stets mit angemessenem Fleisse darauf, noch so viel von der unangenehm unrechtwinklichen und einfarbigen Welt um mich herum mitzubekommen, dass ich nicht als sonderbar identifiziert und auf das Brettergymnasium geschickt werden würde. Von Erzählungen wusste ich, dass es dort rauh zuging und man Legosteine dort nicht zum Konstruieren geländegängiger Fahrzeuge und grausamer Irrenanstalten für Stubenfliegen nutzte, sondern sie einem primitiveren Zweck zuführte, nämlich sie seinem Nächsten über die Rübe zu zimmern.
Geschwommen wurde im Hallenbad, das hatte ich mitbekommen, und das Hallenbad, das war das Reich des Bademeisters. Ich mochte den Kerl nicht besonders. Er wohnte an den Bahnschienen und zwar an der Stelle, an der wir sie regelmäßig überquerten, obwohl man sie dort nicht überqueren durfte.
Jedesmal, wenn er uns erwischte, dann schimpfte er uns aus, dass es eine Art hatte. Wir rannten dann panisch in die eine oder andere Richtung davon, je nachdem, wie weit wir bei unserem Versuch, die Schienen zu überqueren schon gekommen waren.
Der Zorn des Bademeisters war gerecht, denn ich wusste, dass man als Junge die Schienen nicht überqueren durfte. Natürlich wusste ich auch, dass es ein überflüssiges Verbot war, denn man hörte das Brummen der Diesellok kilometerweit, aber ein Verbot war ein Verbot und ein brüllender Bademeister im Recht war etwas, was mir Respekt einflößte.
So sah ich der ersten Schwimmstunde mit unangenehmen Gefühlen entgegen. Zum einen verstand ich nicht, warum ich schwimmen lernen sollte und zum anderen hatte ich Angst, der Bademeister könne mich als illegalen Schienenüberquerer erkennen und entsprechend bloßstellen oder ertränken.
Die ersten Schwimmstunden vergingen damit, dass wir uns hinter Schwimmbretter klemmten und mit den Beinen schlugen. Der Bademeister ließ sich nichts anmerken. Er schien mich genau so zu behandeln, wie alle anderen. Aber ich spürte, dass das nicht immer so bleiben würde.
So kam also der Tag und die Stunde, in der ich zum ersten Mal auf dem Startblock stand und zwar ohne jegliche Schwimmhilfen, nur ausgestattet mit den Werkzeugen, die mir Gott geschenkt hatte. Und ich hatte beim Wünschen nicht "Ich will Fisch werden" gesagt.
Das Wasser unter mir war drei Meter fünfzig tief, das hatte ich auf der Tafel am Beckenrand gelesen. Ich hatte auch eine theoretische Einführung ins Schwimmen bekommen: Die Hände am Körper vorbeiziehen und froschartige Bewegungen mit den Beinen machen. Grau ist alle Theorie und ich hatte mittelschwere Bedenken, dass ich auch bald grau sein würde und die Bewegungen bald nicht mehr froschartig tretend, sondern wasserleichenartig dümpelnd sein würden.
Mit hektischen Blicken suchte das Becken nach Schwimmreifen, Schwimmbrettern oder Treibholz ab, wurde aber nicht fündig. Das einzige im Becken, das über Auftrieb verfügte, war die Trennschnur zwischen dem Schwimmer- und dem Nichtschwimmerbereich und die war ausser Sprungweite, etwa 20 Meter entfernt.
Ich wusste mit jeder Faser meines Körpers, dass mich der Bademeister offenbar mit jemandem verwechselt haben musste. Mit jemandem, der schwimmen konnte. Ich hatte davon nämlich so viel Ahnung, wie Supermann von Heftpflastern.
Da schoss es mir heiss durch die Adern: Der Bademeister hatte mich nicht verwechselt! Er wusste genau, wer, oder besser was ich war: Ich war eines von den Subjekten, die dauernd vor seiner Nase über die Gleise rannten! Und jetzt war ich dran.
Ich überlegte gerade, ob Weinen ein probater Weg wäre, um aus diesem Dilemma auszubrechen, und war schon fast davon überzeugt, da tat der Bademeister etwas, was mich zuerst erstaunte und dann beruhigte. Er nahm etwas in die Hand. Zukunft, Hoffnung, Sicherheit und die Ausicht zurück in ein trockenes Leben oberhalb der Wasserobfläche gingen von ihm aus. Es war ein etwa fünf Meter langer Stab mit einem Ring an einem Ende. Den Ring hielt er mir vor die Nase, damit ich mich daran festhalten konnte.
"Daran kannst du dich festhalten" sagte er.
"Aber nicht wegziehen!" sagte ich. Ich war misstrauisch.
"Nein." sagte er und es sollte beruhigend klingen, doch in seinen Augen blitzte die Hinterlist, sein rechter Mundwinkel war ein kleines bisschen zu weit nach oben gezogen und die Brauen standen in einen Winkel, der etwas zu stumpf war.
Mir als Legoholiker, als Mensch, der ausschließlich in rechten Winkeln dachte, fiel das natürlich nicht auf und so schenkte ich ihm Vertrauen und wähnte mich in Sicherheit.
Heute blicke ich milde auf die Fehler meiner Jugend zurück, denn ich war damals noch dumm und naiv. Natürlich hätte mir auch eine andere Sache auffallen müssen, aber dafür hatte ich damals kein Auge. Zu groß saß die Angst damals in meiner Wahrnehmung und zu verlockend schwebte der zinkene Ring vor mir: Der Bademeister trug noch seine Badeschlappen und sein T-Shirt. Wenn er mich retten wollte, dann wären die Sachen ja komplett nass geworden und dann hätte seine Frau bestimmt mit ihm geschimpft.
Ich aber hatte den Ring fest im Blick, nahm meinen Mut und mein Urvertrauen zusammen und sprang letztendlich vom Startblock ab. Ich griff - noch in der Luft - nach dem Ring, meinem letzten Freund auf der Welt. Doch der Ring war nicht mehr da! Der Bademeister hatte ihn weggezogen! Eher verwundert, als überrascht, schlug ich auf der Wasseroberfläche auf. Ich schrie, peitschte hilflos mit meinen Ärmchen auf die Wasseroberfläche, strampelte erst hektisch, dann immer verzweifelter mit den Beinen, doch es nutzte nichts. Ich wusste dem Tiefensog nichts entgegenzusetzen! Mein kleines, blondbeschopftes Köpfchen versank immer weiter im Wasser, ich schrie, wie ich nur konnte, aber versank, versank, versank. Als mein Mund endlich unter der Wasseroberfläche war und ich nicht mehr schreien konnte, atmete ich reflexartig ein, sog meine Lungen voller Wasser, musste husten, sog dadurch noch mehr Wasser in meine Lungen, bis diese letztendlich völlig mit Wasser gefüllt waren und jede Luft, die letzte Erinnerung an das Leben dort oben, aus mir gewichen war. Langsam wurde ich ruhiger. Die Stille umgab mich, die Stille war in mir. Alles war Frieden.
Derweil versuchte der Bademeister, sich das T-Shirt vom Körper zu reissen, aber es hatte sich an seiner protzigen Armbanduhr, die bis 100 Meter wasserdicht war, verheddert. Es gelang ihm nicht, so sehr er auch riss und zerrte.
Er fluchte.
Oder war es ein altes Bademeisterkriegslied, was er da anstimmte? Eines, dass, Arena, der Bademeistergöttin, die Opfer der Schienenschänder zum Fraß anbot?
Mir war nicht mehr zu helfen. Mit dem Kopf nach unten trieb mein kleiner, unschuldiger Körper dicht unter der Wasseroberfläche. Blut spritzte aus meinen zahlreichen, tiefen Wunden. Ich war tot.

Naja, ok. Ganz so war es nicht.
Eigentlich ging es mit dem Schwimmen plötzlich fast von alleine, auch wenn es ziemlich anstrengend war, aber Angst habe ich trotzdem gehabt.
Und ich bleibe dabei: Bademeister lügen!

Posted by banana at 07:15 EM | Comments (44)
März 20, 2006
Please remember, that I never lied

Heute: Wenn es angeblich so viele davon gibt, warum trifft man dann nie einen davon, oder das könnte ja meine dreijährige Nichte besser malen.
1: Und, was machst du so beruflich?
2: Och, ich bin Vorgesetzter in einer Firma.
1: Soso, Vorgesetzter. Und was machst du da so?
2: Eigentlich gar nichts. Ich lasse ja alles von meinen Mitarbeitern erledigen. Auch die Sachen, die ich eigentlich machen muss. Das machen alles meine Mitarbeiter.
1: Ist dir da nicht sehr langweilig, wenn du gar nichts machst.
2: Es ist ja nicht so, dass ich gar nichts mache. Manchmal mache ich auch was, das mache ich dann aber so, dass es meine Mitarbeiter nochmal machen müssen.
1: Da könntest du es doch eigentlich sein lassen und es gleich die Mitarbeiter erledigen lassen.
2: Stimmt eigentlich.
1: Dann würdest du ja gar nichts mehr machen.
2: Stimmt. Naja, ich würde natürlich weiterhin die falschen Entscheidungen treffen.
1: Jetzt hast du wieder recht. Aber vielleicht können deine Mitarbeiter auch die Entscheidungen für dich treffen. Dann wären es auch nicht mehr die Falschen.
2: Punkt für dich. Ich weiss auch gar nicht, wofür ich so viel Geld bekomme. Eigentlich müssten meine Mitarbeiter das ganze Geld bekommen. Die schmeissen ja eigentlich den ganzen Laden.
1: Jetzt übertreibst du aber. Von irgendwas musst du ja auch leben.

Und es gibt einen neuen Award von Chris und seinen Kollegen. Zu sehen ist er - wie immer - auf der Award Seite. Vielen Dank!
Also immer her mit den Ölsardinenbildern und den Awards - ich freue mich stets sehr darüber!

Posted by banana at 10:13 EM | Comments (13)
März 17, 2006
Ruhig weinte die Mango auf dem Blechdach

Von allen Gerüchen füllt der Pfirsichgeruch den Kopf am vollständigsten aus. Es liegt das in der Form des Pfirsichs begründet, die ja ähnlich, wie die des Kopfes ist. Auch ist der Pfirsich, gleichwie der Kopf, über und über mit feinen Haaren besetzt. Der Pfirsichduft geht durch die Luft, kauert sich zusammen, wie ein Brotling und kommt durch das Nasenloch in die Kopfnuss. Dort angekommen, sich bald heimisch fühlend, streckt er sich und reckt er sich, breitet sich aus, entrollt sich zu voller Größe und nimmt nahezu den ganzen Kopfraum ein. Der Duft umgreift das Gedenk mit strondender Eisenkraft und drückt es, schüttelt und schubst es, dass es ganz vandenräusig wird. Ganz toll macht uns der Duft und es wird zum schieren Vergnügen, sich ihm ganz hinzugeben, in das gelbeweisse Fleisch der Frucht zu beissen und den verströmenden Geruch in sich aufzusaugen. Erst, wenn der Pfirsichstein abgelutscht ist und vom letzten Rest des Fruchfleisches befreit ist, wenn der letzte Tropfen des Saftes vom Kinn geleckt ist, dann gibt der Strom das Gehirn wieder frei und lässt die Gedanken wieder auf die Straße des freien Willens einlenken.
Auch dem Apfel scheint dieses Kunststück zu gelingen, wenn auch nicht mit der gleichen Exklusivität, die der Pfirsich für sich beansprucht. Die Gründe hierfür sind zweierlei: Der Neck des Apfels beugt sich dem Gull des Pfirsichs, dies ist leicht an der unterschiedlichen Träne der Säfte zu ersehen. Fröhlich leicht tanzt der Saft des Apfels in der Kehle, sudig dick kriecht uns der Pfirsichsaft über die Lippen, ganz ähnlich der Milch, die uns unsere Mutter darbot und auch bald so, wie der rote Strom, der durch unser Fleisch zieht.
Dem Apfel gelingt es nicht, uns derart für sich einzuvernehmen, zu unterschiedlich sind wir im Wesen, zu verschieden in unseren Urträumen. Der Apfel, das ist der Waldlauf am Morgen, das geöffnete Fenster in der Stube, aber der Pfirsich, das ist das warme, weiche Weib im Federbett. Der Apfel ist die Ratio, der Pfirsich ist die Sünde.
Wieso war es dann der Apfel, Adam und Evens Köpfe verdrehte und nicht der Pfirsich? Die Antwort ergibt sich aus den oben genannten Ausführungen und die Frage alleine gehört euch frechen Bengels ins Maul gestopft, bis ihr an eurer eigenen Dummheit erstickt.
Gott ist ein Sportsmann und kein Gauner. Er hält dir keinen Batzen vor, um dir den Handschuh um die Backen zu hauen, wenn deine Hand den Griff übt.
Im Triumvirat der mächtigsten Pflanzendüfte kommt - unscheinbar und blass - der dritte Geselle daher. Er buhlt nicht mit grellen Farben und starken Gerüchen um das Geglotz und den Knollen des Wanderers. Er hängt nicht hoffartig vom hohen Ast des Baumes herab, damit ihn der Riechende recht gut erkennen möge. Dieser Geselle zieht es vor, sein weisses Köpfchen zwischen Sträuchern und Halmen zu ducken, sein Schirmchen im Gemenge der Waldbodenbedecker aufzuspannen und dort zu stehen und zu warten, bescheiden und höflich, hell und zart.
Vom Champignon ist die Rede und obwohl er bislang nur mit durchaus positiven Vokabeln berunfelt wurde, so wäre es nicht gerecht, für sein Bouquet ebensolche Euphemismen zu wählen.
Als muffig wurde es beschrieben, einstweilen Feucht, dem Duft des Männersaftes nicht unähnlich. Der Marter der Pfannenhitze und dem Sog des Kochsalzes übergeben alsbald ins Spitze kippend, überbordend und seinen wahren Charakter überlondend.
Er ist ein hinterhältiger Verbündeter, der Duft des Champignons. Er geht subtil vor im Verfolgen seines Plans. Ähnlich dem Umgang mit dem Pülverchen, so ist auch der Umgang mit dem Pilzgeruch nur demjenigen anzuraten, der weiss was er tut und in traumwändlerischer Sicherheit wurzelt, zu jedem Punkt der Zeit der Herr über seine Taten zu sein. Nur diesem kann der Pilz Freund und Lehrer sein. Allen anderen ist er ein Feind und Kupferstecher.
Ich selbst wandele oft in der Pilzfarm, unziehe die weiss gepunkteten Beete mit meinen Schritten, inhaliere die leicht gefärbte Feuchte der Köpflinge, lasse sie meine Danken reinigen und mit der feinen Schicht der Erdenschwere überziehen, die nur Gevatter Champignon aus der Krume lösen kann.
Doch Obacht! Nicht zu lange darf man sich dem blendenden Beschwerer aussetzen! Schmal ist der Grad, den Bitumia zwischen Zwill und Abgrund gedorgelt hat! Schnell und unbemerkt kann es gehen, nicht unangenehm, ähnlich dem Entschlafen im Kohlendioxydbad, dass man kippt und strauchelt, die Bodenlosigkeit erfährt und branselnd in der trägen Traurigkeit der Ahnen dümpelt. Von dort gibt es keinen Weg zurück, es gibt nur die Fenster, hinter denen man träurig blinzelnd stehen kann und auf die andere Seite zurückschauen kann. Als ewiger Gast steht man in der Halle des Lebens und wird nie wieder an den Tisch gebeten, sich zu setzen, Gleicher unter Gleichen zu sein.
Der Champignon ist nicht wie der Pfirsich, der sich lachend, dick und zepterschwingend wie ein König auf den Thron setzt, er ist nicht, wie der Apfel, der sauer und essig die Nüfen der Nebenhöhlen kaluntert. Der Pilz ist wie der Fremde im Wirtshaus. Er setzt sich zu dir, mit schwerem Wein und gerbem Leder, plaudert, bringt dich auf Gedanken und dann, wenn du nicht aufpasst, dann zieht er dir seine Krücke über den Schädel und verschwindet, nimmt das mit, was dir am kostbarsten ist.
Pass also auf, Schüler der Valaitis! Bedenke meine Worte wohl. Wälze dich im Pfirsich, friss den Apfel, aber sei misstrauisch gegenüber dem Champignon, den sein sind die zwei Gesichter.

Posted by banana at 07:05 EM | Comments (21)
März 16, 2006
Come on, honey

Heute war kein guter Tag. Ich glaube, ich habe heute mein Gehirn falschherum eingebaut. Es fing mit einem Telefonat mit Mama an.
mvb: Der Rudi ist tot. Den haben sie tot in seiner Wohnung gefunden.
bna: Aha. Wer hat ihn den gefunden?
mvb: Keine Ahnung. Der Karl hat gesagt, er war ganz gelb. Vielleicht wollte die Leber nicht mehr.
bna: Wie alt war denn der Rudi?
mvb: 66.
bna: Aber es heisst doch, "mit 66 Jahren, da fängt das Leben an" und nicht mit 66 Jahren, da hört das Leben auf.
mvb: Manfred ist auch 66.
bna: War es Mord?

Dann habe ich auch noch den Kollegen verärgert. Ich habe mir schon vor einer Weile eine Sammlung von Fotos weinender Säuglinge angelegt. Heute kam dann eine weinerliche Mail eines Kollegen (bäh, ihr habt nicht mit dem Essen auf mich gewartet oder bäh, ich kann das und das nicht machen wegen dem und dem). Ich glaube, es war die Sache mit dem Essen. Ich klickte im E-Mail-Client auf Reply und schickte dem Kollegen als Antwort ein Bild aus meiner Säuglingssammlung. Es klappte hervorragend! Der Kollege war richtig sauer! Das werde ich in Zukunft öfters machen und empfehle es jedem zur Nachahmung.
Ich habe auch schon eines der Bilder ausgedruckt und daraus ein Schild gebastelt, dass ich nun hochhalte, sobald jemand mit Geheule anfängt. Das macht auch Spaß, aber nicht so viel Spaß, wie die E-Mail.

Posted by banana at 07:31 EM | Comments (28)
März 15, 2006
The kids don't even know the name of my Bernd

Hurra! Ein neuer Award! Und zwar von cpain. Er ist sehr gut und hat mit Weltraumfahrt zu tun.
Ach, das ist wirklich interessant. Wenn in den Medien über Blogs berichtet wird, dann wird die Metapher "Tagebuch im Netz" benutzt. Warum, das weiss kein Mensch. Für einige Blogs mag das ja zustimmen, aber eben nur für einige. Dann wird das Unverständnis darüber geäussert, wie man denn sein ganzes Leben im Netz veröffentlichen könne. Und dann interessiert mich der Bericht irgendwie nicht mehr.
Neulich saß ich im Auto und hatte das Radio ausgeschaltet. Das kommt eigentlich sehr selten vor, deswegen drückte die Stille auch bleiern auf die Atmo, wie eine Bleiweste auf der Lernschwester. Steht der Mensch vor einem stillen See, so wirft er Steine hinein, um gegen die Glätte der Wasseroberfläche zu opponieren. Aus dem gleichen Grund fing ich an, gegen die Stille im Auto anzusingen. Thematisch passend sang ich "Silence ist golden, golden, but my eyes still see".
Die Stille zerriss, wie das Geschenkpapier um Big Jim am Weihnachtsabend und mir wurde schlagartig klar, dass dieses Lied kompletter Schwachsinn ist.
Wenn die Stille doch so toll ist, warum schreibt man dann ein Lied darüber, dass die Stille so toll ist? Ein wesentliches Merkmal von Liedern ist es, dass sie gesungen werden und der Gesang ist nunmal einer der Feinde der Stille. Ein Lied zu schreiben, dass "Silence is golden" heisst, das ist in etwa so, wie ein Buch zu schreiben, dass "Analphabetismus für Dummies" heisst. Naja, zumindest so ähnlich. Man hätte das Lied eigentlich gar nicht schreiben dürfen, so lange es nicht als Protestsong gemeint ist, denn man zum Beispiel auflegt, wenn die Nachbarn mal wieder mitten in der Nacht ihrem Bohrfetischismus frönen. Aber ich glaube eigentlich nicht, dass "Silence is golden" als Protestsong gedacht ist. Es fällt mir auch ehrlich gesagt schwer, zu glauben, dass sich der Verfasser des Liedes überhaupt etwas gedacht hat, denn was soll den "Silence is golden, but my eyes still see" bitte miteinander zu tun haben? "Silence is silver, I am blind" oder was?
An eine Sache erinnert mich "Silence is golden" noch: Im Kunstunterricht malte mal ein Schüler ein Bild. Zu sehen war eine Schatztruhe, ein Fisch, inklusiver fischtypischer Blubberblasen und die Worte "Silence is golden". Der Schüler bekam damals eine zwei für das Bild. Ein Freund von mir war im selben Kunstkurs. Was er gemalt hat, weiss ich nicht mehr, aber ich weiss noch, dass er dafür nur eine drei bekommen hat und ich weiss auch, dass er das noch Jahre später des öfteren auf Parties erzählt hat. Entweder polarisiert dieses Lied also sehr stark oder ich habe die Auswirkungen, die Kunstnoten auf die Psyche von Schülern haben können, immer stark unterschätzt.

Posted by banana at 07:28 EM | Comments (7)
März 13, 2006
Das haut mir den Nuggi raus!

Der Kopf rollt voraus, stur und tapfer. Der Körper taumelt hinterher, blind und blöd und unsicher: Stolpert, fällt hin, steht wieder auf, tastet weiter. Sieht nicht, hört nicht, riecht nicht, spürt die Löcher, die die Kiesel in die Sohlen drücken und das Blut, das über die zerschundenen Knie läuft. Keucht aus offenem Hals, weint nicht, schreit nicht und weiss nicht. Will nur weiter, dem Kopf hinterher. Dem kleinen hilflosen Kopf, der vorrausrollt, stur und tapfer.
Solche Szenen spielen sich ab auf Kofos, dem Planeten, auf dem den Bewohnern die Köpfe nicht festgewachsen sind. Eine grausame Laune der Natur! Und da heulen wir immer rum, mit unserem Blinddarm und unserer Prostata, dabei gehts uns ja noch gold.
Übrigens wurde auf Kofos schon vor mehreren tausend Jahren die Helmpflicht eingeführt. Auf Kofos gilt als größte Erfindung aller Zeiten nicht etwa das Rad oder das Telefon oder der Computer, sondern der Kolm, eine einfache Vorrichtung, mit dem man den Kopf auf den Schultern fixieren kann. Ist ja auch irgendwie naheliegend.
Gestern habe ich mir mal etwas Zeit für mich genommen. Die Zeit verbrachte ich im Badezimmer, um mir etwas Gutes zu tun und mit der Seele zu baumeln. In einer Zeitschrift, auf deren Titel ich hier nicht näher eingehen will, waren Proben eingeklebt. Vier waren es an der Zahl: Eine Lotion zum Waschen des Gesichtes, ein After Shave, eine Gesichtscreme und eine Augencreme. Alle vier wollte ich zur Anwendung bringen. Wenn man schonmal etwas geschenkt bekommt, dann kann man das ja auch benutzen!
Ich arbeitete mich durch Waschlotion und After Shafe und war mit den Produkten sehr zufrieden. Auch die Gesichtscreme hinterlies einen guten Eindruck, auch wenn sie nicht so gut einzog, wie ich mir das gewünscht hätte. Vielleicht war auch einfach meine Haut nicht durstig genug und hatte sich schon beim Duschen und beim Waschen satt getrunken. Dann kam die Augencreme an die Reihe. Sie machte meinen Vormittag zu einem Aufenthalt im dritten Vorzimmer der Hölle von Ranganatan. Ich trug die Creme mit spitzem Finger auf, als mich auch schon ein brennender Schmerz durchzuckte. Es fühlte sich an, als drücke mir jemand unerbittlich brennende Wunderkerzen in die Augen. Es brannte, wie die Hölle! Kreischend taumelte ich im Badezimmer umher. Ich wollte mir schier die Augen rausreissen, sie aus ihren gastunfreundlichen Sockeln puhlen und unter fließendem Wasser abwaschen, so wahnsinnig machte mich der Schmerz.
Ein paar Sekunden konnte ich gar nichts sehen, konnte mir nur schreiend die Augen reiben, bis die Welt endlich wieder anfing, in meinem Kopf zu erscheinen. Verschliert war die Welt, unscharf und vernebelt, aber wenigstens war sie wieder mein Gast. Ich tastete mich ins Labor und wusch meine Augen in der Augendusche. Langsam wurde es besser, aber die Augen schmerzten immer noch und waren stark gerötet. Auch meinte ich einen kleinen Silberblick wahrzunehmen. Bis zum frühen Nachmittag war meine Sehkraft noch nicht völlig wieder hergestellt. Heute ging es dann aber schon wieder.
Fazit: Finger weg von Augencreme. Das bringt nichts.

Heute ist übrigens die 10.000 Kommentar-Grenze überschritten worden. Der 10.000te kam von mav! Einen Preis muss ich mir noch ausdenken...

Posted by banana at 07:00 EM | Comments (33)
März 11, 2006
Wo machst'n hie?

Sie wissen, dass sie in Hessen sind, wenn sie dererlei Produkte zu kaufen bekommen:

Schönes Wochenende!

Posted by banana at 06:23 EM | Comments (16)
März 08, 2006
Got the wings of heaven on my shoes

Erstmal vielen Dank an Alf, der zur Zeit in den USA lebt und von dort ganze vier neue Dosen für die §§a href="http://www.spackonauten.org/adoe">Allee der Ölsardinen§§/a> geschickt hat. Langsam aber sicher wird die Sammlung immer besser und immer internationaler! Vielen Dank, Alf!

Ich verstehe das nicht! Nein, dafür habe ich kein Verständnis!
Bei meiner Bank treten technische Probleme auf und sie können meine Kreditkartendaten nicht anzeigen. Vielen Dank für ihr Verständnis. Auf der Autobahn stehe ich im Stau, weil sie für mich die A5 umbauen. Für mich?! Am Ende der Baustelle danken sie mir auch für mein Verständnis.
Dabei können die doch gar nicht wissen, dass ich dafür Verständnis habe. Ich finde das ziemlich dreist, ja nachgerade frech!
Wie wäre es dann, wenn jetzt zufällig mein Leben davon abgehangen hätte, meine Kreditkartendaten zu erfahren und ich jetzt tot wäre, weil man bei der Bank im Moment leider nicht in der Lage ist, sie mir anzuzeigen? Dann würden sie mir auch für mein Verständnis danken. Wie wäre es denn, wenn ich rein zufällig meine mit Sechslingen schwangere und lautstark vor sich hin wehende Frau hinten im Auto hätte und sie wegen der Baustelle zwei Kinder mitten auf der A5 zur Welt bringen müsste, die dann als Geburtsort "A5" im Ausweis stehen hätten und so Zeit ihres Lebens die Zielscheibe bissigen Spottes sein würden? Dann würden sie mir auch für mein Verständnis danken!
Dabei hätte ich dafür gar kein Verständnis! Ich bin der Meinung, sie könnten mich höchstens darum bitten, etwas Verständnis für diese Unanehmlichkeiten aufzubringen. Wir bitten um ihr Verständnis. Das wäre angemessener. Oder sie müssten sich dafür entschuldigen. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir aufgrund von Fehlern, die ausschließlich auf unserer Seite zu suchen sind, derzeit ihre - für sie sicher sehr wichtigen - Kreditkartendaten nicht anzeigen können. Nein, das wäre auch nicht richtig! Man kann sich nämlich gar nicht selbst entschuldigen! Sie müssten vielmehr bei mir um Entschuldigung bitten! Und dann, wenn ich ganz gute Laune hätte und einen barmherzigen Tag erwischt hätte und mir beim Schlafen nicht wieder alle Haare wie ein Depp plattgelegen hätte, dann würde ich ihnen vielleicht verzeihen! Genau! Sie müssten eigentlich um Verzeihnung bitten. Wir möchten sie aufrichtig dafür um Verzeihung bitten, dass wir, aufgrund von ausschließlich auf unserer Seite zu suchenden Fehlern, ihre sicherlich für sie immanent wichtigen und interessanten Kreditkartendaten derzeit nicht anzeigen können. Klicken sie bitte auf "Ich verzeihe ihnen", wenn sie unsere bescheiden vorgetragene Entschuldigung akzeptieren, wir werden uns dann mit ihnen in Verbindung setzen, sobald wir diesen eigentlich nicht zu entschuldigenden Fehler ausgemerzt haben und uns wieder in der Lage sehen, solch einfache und für unser Geschäft eigentlich elementaren Dinge zu tun, wie Kreditkartendaten anzuzeigen. Wahrscheinlich werden wir den völlig unfähigen Programmierer entlassen, der für diese Katastrophe verantwortlich ist. Davon kann uns auch nicht abhalten, dass der arme Mann gerade Vater von Sechslingen geworden ist, von denen zwei "A5" als Geburtsort im Ausweis stehen haben und dass er bereits 55 Jahre alt ist und wohl keinen Job mehr finden wird, denn Cobol-programmierende Pullunderträger stellt heutzutage niemand mehr ein. Die Zufriedenheit unserer Kunden ist uns stets das wichtigste Ziel. Auf Einzelschicksale kann deswegen keine Rücksicht genommen werden. Klicken sie bitte auf "Ich verzeihe ihnen nicht", wenn sie sich ausserstande sehen, unsere aufrichtige und ernst gemeinte Entschuldigung zu akzeptieren. In diesem Fall werden wir den Chef der Entwicklungsabteilung teeren und federn und dann nackt durch die Stadt teiben, direkt vors Arbeitsamt. In diesem Fall gehen wir davon aus, dass wir uns darin einige sind, dass es für sie unakzeptabel ist, weiterhin Kunde dieser Kreditanstalt zu sein und schicken ihnen ihr Geld zurück, sobald wir wieder in der Lage sind, herauszufinden, wieviel wir ihnen eigentlich schulden würden.
Das wäre tatsächlich angemessen, aber längere Texte werden im Netz ja kaum gelesen.
Da fällt mir ein - ich könnte mich eigentlich mal auf die Suche nach meiner Kreditkarte machen.

Posted by banana at 07:37 EM | Comments (55)
März 06, 2006
I want to marry a lighthouse keeper

Es gibt etwas anzukündigen:
Am Freitag, den 24. März 2006 findet in München Schwabing im Twisted Bavarian die zweite Bayrische Bloglesung statt. Lesen werden §§a href="http://www.martinakink.com/">Martina Kink§§/a>, die §§a href="http://www.vorspeisenplatte.de/speisen/">Kaltmamsell§§/a> von der Vorspeisenplatte, §§a href="http://www.myblog.de/klugscheisser">Frau Klugscheisser§§/a>, §§a href="http://rebellmarkt.blogger.de/">Don Alphonso§§/a> und ich.
Ich sage: Das ist eine aufregende Sache, vor allem, wenn man erst vor kurzem gelernt hat, zu lesen, so wie ich.
Andere sagen: Aber bna, du bist doch gar kein Bayer und Bayrisch kannst du auch nicht.
Ich sage: Das stimmt.
Andere sagen: Und?
Ich sage: Ich versuche, etwas für die Völkerverständigung zu tun. Ich versuche mein Bestes, so lange es im Rahmen des Hessisch-Bayrischen Kulturaustauschprogrammes bleibt.
Ich sage: Ich habe in den letzten Wochen sehr an meinem Bayrisch gearbeitet, es ist mittlerweile auf dem Niveau des Englisch von Lothar Matthäus. Ich werde aber trotzdem nicht Bayrisch lesen. Vielleicht werde ich etwas auf Hessisch lesen. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiss das schon. Ich bin ja schon froh, wenn ich überhaupt etwas lesen kann, bei dieser blöden gelben Schrift auf diesem blöden schwarzen Hintergrund. Und überhaupt!
Ich denke, das ist ein Angebot.

Posted by banana at 07:02 EM | Comments (18)
März 02, 2006
Ist Neidfieber sowas, wie Eifersucht?

Damals, als ich auf der Geburtshelferschule war, da habe ich mich in einem Fach ganz besonders fleissig angestellt: Beim Bauchnabelknoten. Keiner der anderen Hebammen oder Hebammeristen haben sich in diesem Fach so sehr angestrengt und ich kann - nicht ganz ohne stolz - von mir behaupten, dass ich stets die schönsten Bauchnabel geknotet habe.
Neban den bekannten Standardknoten, wie dem Hamburger Nabelsteg, der Westfählischen Doppelrinde oder dem Münchner Kissen habe ich sogar einige Nabelknoten selbst entwickelt. Leider wurden mir diese kunstvollen Objekte nie von der Hebammenkammer abgenommen. Deshalb durfte ich sie auch nie am lebenden Objekt anwenden. Die Nabelpuppe der Geburtshelferschule ist das einzige Objekt, dass jemals mit dem Stielstelzliung, dem Heiermann oder dem No Future verziert worden ist. Angeblich seien meine Knoten zu kompliziert und damit potentiell gefährlich. In der Tat sind diese Kunstwerke nicht ganz einfach, aber wer möchte schon sein ganzes Leben mit einem Allerweltsknoten, wie dem Kurzrock rumlaufen?
Meine Motivation, mich beim Nabelknoten besonders anzustrengen begründete sich immer darin, weil der Mensch das ganze Leben mit seinem Nabelknoten verbringen muss. Der Nabelknoten ist wie eine Tätowierung und genau so kunstvoll sollte er auch ausgeführt werden. Nun ist ein Mensch mit einem hässlichen Nabelknoten nicht in der gleichen Weise entstellt, wie ein Mensch mit einer misslungenen Tätowierung, aber so, wie ein kunstvolles Bild unter der Haut die Schönheit eines Menschen unterstreichen kann, so wird ein Bauch erst durch einen gekonnt geknoteten Nabel zum optischen Hochgenuss, der Knoten macht den Nabel zum Becher, aus dem man sich an köstlichem Nektar labt.
Nicht verschweigen möchte ich an dieser Stelle die Angewohnheit vieler Hebammen und Hebammeristen, sich bei kleinen Jungen weniger Mühe zu geben, als bei kleinen Mädchen. Begründen tun sie das damit, dass bei den Jungen der Bauchnabel früher oder später in einer Höhle, die aus dem Bauchspeckt gebildet wird, verschwinden wird. Anders herum wird jedoch ein Schuh heraus: Viele junge Männer essen nur deshalb so viel, weil sie sich für ihren hässlichen Bauchnabel schämen und weil sie wollen, dass er verschwindet. Dabei beisst sich also die Katze in den Schwanz, die Wirkung wird zur Ursache und die Krankenkassen müssen es am Ende bezahlen.
Leider ist es schon viele Jahre her, dass ich meinen letzten Nabel geknotet habe. Weil ich damals die Abschlussprüfung nicht geschafft habe, durfte ich den Beruf des Geburtshelfers nie ausüben. Nur, falls ich ab und zu zufällig an einer gerade ferkelnden Sau vorbeikomme, lege ich noch manchmal Hand an und es kamen noch nie Beschwerden.

Posted by banana at 07:06 EM | Comments (43)
März 01, 2006
Whoa, whoa, yeah, yeah, I love you more than I can say

Vorneweg vielen Dank an Chris für eine neue Ölsardinendose für die §§a href="http://www.spackonauten.org/adoe">Allee der Ölsardinen.§§/a> Diesmal kommt sie aus Portugal. Vielen Dank!
In Kinofilmen sehen die Verkleidungsparties immer wahnsinnig toll aus. Wenn die Amerikaner zum Beispiel im Kino Haloween feiern, dann tauchen die da mit so perfekten Kostümen auf, dass man direkt Lust bekommt, mitzufeiern. Natürlich nur, wenn Michael Myers nicht auch mitfeiert.
In der Wirklichkeit sieht das ganz anders aus und das ist auch der Grund dafür, warum ich Kostümfeste im Besonderen und Karneval im Allgemeinen nicht leiden mag. Es deprimiert mich. Die schlechten Kostüme deprimieren mich. Nun kann man eigentlich niemandem einen Vorwurf machen, der sich in ein schlechtes Kostüm gewickelt hat, denn gute Kostüme erfordern entweder Talent und viel Arbeit oder richtig viel Geld und das sind leider meistens genau die Dinge, die knapp sind.
Am Sonntag ist mir zum Beispiel Darth Vader begegnet. Ich glaube zumindest, dass es Darth Vader sein sollte, denn ich kann mich daran erinnern, dass der echte Darth Vader eigentlich ein supercooles Laser-Schwer hatte und keine Schreckschusspistole, dass er eine Maske trug und dass seine Beine nicht in einer schwarzen Jeans gesteckt haben. Auch waren die Geräte, die in seinem Anzug verbaut waren, nicht nur augedruckt.
Ich selbst habe mich einmal zu Fasching als Astronaut verkleidet. Ich trug einen Hellgrauen Cord-Overall, den meine Mutter genäht hatte und der meine Initialen "CM" auf den Arm gestickt hatte. Dazu trug ich blaue Nylon-Stiefel mit gelber Sohle an den Füßen, einen Plastik-Spielzeug-Motorradhelm auf dem Kopf und eine Pappschachtel, die mit Hosenträgern als Gurte auf meinem Rücken befestigt war.
Im Weltraum hätte ich in diesem Aufzug keine zwei Sekunden überlebt!
Ich frage mich, ob überhaupt jemand erkannt hat, dass ich ein Astronaut sein sollte. Vielleicht haben mich die Leute einfach für einen Pizzaboten gehalten?
Als ich in dem Aufzug in der Schule auftauchte, fiel mir sofort auf, dass es ziemlich unpraktisch ist, sich als Astronaut zu verkleiden, weil ein Astronaut über keinerlei Waffen, wie Säbel, Pistolen, Morgenstrerne, Blasrohre oder Wurfsterne verfügt. Der Spaß am Astronautsein wurde mir gänzlich vergällt, als sich mein bester Freund auf den Kopf drehte und sich darüber kaputtlachte, dass "WC" auf meinen Arm gestickt war.
Das nächste Jahr wurde ich dann wieder Yankee. Yankees haben coole gelbe Streifen an der Hose, Pistolen, Säbel und nichts auf dem Arm gestickt.

Posted by banana at 07:42 EM | Comments (34)
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