Montag 11 September, 2017
Knackige Geschichte

Knackige Pommes Frites.
Was soll das denn bitte schön sein?
Sowas wird bei uns in der Kantine angepriesen.
Knackige Pommes Frites.
Da ist doch das falsche Wort, "knackig". Möhren sind knackig oder Gemüse ist knackig, aber doch keine Pommes. Wenn ich an knackige Pommes denke, dann denke ich, sie seien nicht ganz durch. Pommes müssen knusprig sein. Es ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied zwischen knackig und knusprig.
Kross können sie von mir aus auch sein. Krosse Pommes.
Aber das nur am Rande.
Heute gab es in der Kantine mal wieder knackige Kartoffeln. Das war nicht so lecker, meine Fresse.
Jetzt erzähle ich mal von früher.
Früher, jaja, früher. Hach, ja früher. So war das früher.
Sonst war früher alles schlechter als heute. Durch die Bank. Sogar die Bänke waren früher schlechter. Die zum drauf sitzen und die zum Geld verleihen. Weil das Geld ja auch nicht so stabil war, wie heute. Oft verbog man mal eine D-Mark und dann war das Geld futsch. Oder man zerriss im Streit mit einem Räuber einen Fünfziger und dann war das Geld auch futsch. Ja, so war das damals. Dinge waren oft futsch.
In der Schule hatte zum Beispiel auch dauernd jemand Läuse. Also Kopfläuse. Derjenige wurde dann vor aller Augen vom Klassendirektor geschoren und mit einem weissen Pulver bestäubt, das den Kranken markieren sollte, damit die anderen ihn mieden. Dauernd liefen diese blöden weissgepuderten Glatzköppe durch die Schule, die sahen aus, wie der Clown von Steffen King, aber in klein, mit Wackelohren und mit Fressenbraracke im Maul, aber das konnte man nur selten sehen, denn es gab fast nichts zu lachen. Fernsehen gab es ja nur von vier bis um zehn.
Fressenbaracke! Das führt mich zu Punkt zwei: Dauernd - ja wirklich dauernd - kam der Schulzahnarzt. Der holte sich dann eine Gabel aus der Kaffeeküche und brach den Rotzlöffeln damit die Münder auf, damit er reinblecken konnte.
Was er da vorfand, das gefiel ihm nur in den seltensten Fällen, denn als Zahnbürsten hatten wir nur Dinge, die wir uns selbst aus Lego, Haselnussgerten und alten Lebkuchen gebastelt haben. Dann schimpfte der Schulzahnarzt mit uns und gab uns schlecht gefaxte Zettel, auf denen man sehr kranke Spätheimkehrer mit sehr schiefen Zähnen sehen konnte, wenn man viel Fantasie hatte. Aber auch ohne Fantasie konnte man dem Anblick nur wenige Sekunden standhalten.
Es war grauenhaft.
Diese Zettel mussten wir dann zu Hause ausmalen, von unseren Eltern unterschreiben lassen und zum nächsten Schulzahnarzttermin mitbringen.
Sie wurden dann abgestempelt und abgeheftet. Zu Dokumentationszwecken.
Zur Strafe mussten wir auch teile unserer Aufklebersammlung abgeben. Damals sammelte jeder Aufkleber. Man ging in ein Geschäft (Jeans 2000 oder Knusperkiste Geschenkbedarf) und sagte "Haben sie Aufkleber" und dann bekam man Werbung für Franz Joseph Strauss und sowas. Das klebte man dann zu Hause auf die Tür, bis die Eltern einen windelweich prügelten, weil das den Restwert des Hauses frappant minderte. Den Rest der Aufkleber riss sich dann der Schuldzahnarzt unter den Nagel, um damit seinen alten Mercedes Diesel vor dem Auseinanderfallen zu bewahren. Wahrscheinlich popelte er auch heimlich auf der Rückbank, denn genau so eine Type war das!
Ja, liebe Leute. So war das damals. Drum passest auf, dass es nie wieder so wird, wie damals. Es war nicht schöno.

Posted by banana um 16:02 (Link) | 1 Kommentare

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